In die Natur investieren – Klimarisiken reduzieren
Maßnahmen wie die Regenerierung von Feuchtgebieten und die Waldbewirtschaftung bieten einen pragmatischen Ansatz zur Begrenzung der Auswirkungen des Klimawandels, doch bei vielen Projekten ist es schwierig, im Bemühen um Investitionen Erfolge zu erzielen. Zwar können diese Projekte die Klimaresilienz stärken und weitreichende Vorteile für die biologische Vielfalt, die Wasserqualität, die Ernährungssicherheit, die öffentliche Gesundheit und die lokale wirtschaftliche Resilienz bewirken, doch verteilen sich diese Gewinne oft auf Gemeinschaften, Unternehmen und Behörden, anstatt einen direkten Ertrag für einen einzelnen Investor zu erbringen. „Naturbasierte Lösungen sind fantastisch“, betont Jaroslav Mysiak, Projektkoordinator von NATURANCE(öffnet in neuem Fenster) und Gründungsdirektor der Abteilung Risikobewertung und Anpassungsstrategien(öffnet in neuem Fenster) am Euro-Mediterranean Center on Climate Change. „Aber Investierende benötigen verlässliche Renditen, während naturbasierte Lösungen einen Nutzen schaffen, der breiter aufgeteilt ist.“ Die Herausforderung ist daher gleich eine doppelte: den umfassenderen wirtschaftlichen Wert naturbasierter Lösungen aufzuzeigen und Finanzmechanismen zu entwickeln, die diese Vorteile anerkennen und honorieren können. „Im Rahmen von NATURANCE haben wir versucht, eine Brücke zwischen Versicherung und Risikotransfer einerseits und der Wiederherstellung von Ökosystemen andererseits zu schlagen“, erklärt Mysiak. „Die Frage dabei lautete, wie Versicherungen durch Anreize für Investitionen in die Natur zur Verringerung von Klimarisiken beitragen könnten.“
Versicherung als Teil der Lösung
Das NATURANCE-Team richtete europaweit neun Innovationslabore ein, um unter Einbeziehung von Versicherungen, Finanzfachleuten, KMU, Lokalbehörden und an der Entwicklung naturbasierter Lösungen Arbeitenden zu prüfen, wie mit Versicherungs- und Investitionsansätzen naturbasierte Lösungen finanzierbarer gestaltet werden könnten. Jedes Labor lieferte praktische Ergebnisse, darunter Empfehlungen für die Gestaltung von Versicherungsprodukten und einen fünfphasigen Fahrplan für die Entwicklung innovativer Finanzierungsmodelle. In Italien untersuchte das Team von NATURANCE, wie durch die Wiederherstellung von Ökosystemen das Hochwassermanagement unterstützt werden könnte. Diese Arbeit vereinte regionale Wasserbewirtschaftungsgremien, öffentliche Stellen, Versicherer und Finanzaufsichtsbehörden in dem Bemühen, die Realisierbarkeit von versicherungsgestützten kontrollierten Überschwemmungen und eines kommunalen Versicherungsfonds zu prüfen. Im Vereinigten Königreich untersuchte das Team, ob Anforderungen an Bauträger zur Verbesserung von Lebensräumen dazu beitragen könnten, Finanzmittel für Projekte zu generieren, die Hochwasserrisiken mithilfe der Natur verringern. Das Labor erprobte zudem die parametrische Versicherung, die eine im Voraus vereinbarte Auszahlung vorsieht, sobald ein definiertes Ereignis oder ein Schwellenwert erreicht wird, etwa eine Hitzewelle, anstatt erst bei Eintritt eines tatsächlichen Schadens. In Schweden griff das Labor auf laufende Projekte zur Renaturierung von Feuchtgebieten zurück, um der Maßstabserweiterung im Wege stehende Hindernisse zu ermitteln, und es wurde erkundet, wie Vorteile wie Kohlenstoffbindung, biologische Vielfalt, Wasserqualität sowie Schutz vor Überschwemmung und Dürre in Finanzierungsmodellen bewertet werden könnten. Das Team von NATURANCE arbeitete zudem mit Organisationen, Einrichtungen und Unternehmen zusammen, die im Bereich naturbasierter Versicherungen tätig sind, darunter die Münchener Rück Stiftung, OroVerde, Allianz Commercial und WTW, um die Geschäftsszenarien über Risiko- und Leistungsbewertung sowie Governance- und Gerechtigkeitskriterien zu stärken. Über das Konsortium hinaus arbeitete das Team auch mit europäischen Initiativen wie Invest4Nature, Firelogue, PIISA und Adaptation AGORA im Rahmen von Webinaren, Workshops und „Naturethon“-Aktivitäten zusammen, bei denen Fachwissen mit von Bürgerinnen und Bürgern initiierten Ideen für naturbasierte Klimaanpassung verbunden wurde.
Instrumente zum Erschließen von Investitionen in die Natur
Die projekteigene Digitale Bibliothek(öffnet in neuem Fenster) bietet das NATURANCE-Kompendium, eine praktische Ressource mit 45 Fallstudien aus ganz Europa, ein Business Model Canvas, das Einrichtungen und Organisationen dabei hilft, naturbasierte Investitionen zu bewerten, Chancen zu identifizieren und Hindernisse bei der Umsetzung zu beseitigen, sowie weitere Werkzeuge. Im Rahmen von NATURANCE wurde zudem eine CEN-Workshop-Vereinbarung(öffnet in neuem Fenster) entwickelt, die Leitlinien für die Gestaltung und Bewertung naturbezogener Versicherungsprogramme bereitstellt. Sie wurde bereits in Italien zur Entwicklung einer nationalen Norm aufgegriffen, womit einer breiteren Marktakzeptanz der Weg bereitet wird. Laut Mysiak war dies eine der bedeutendsten Errungenschaften von NATURANCE: „Wir haben eine gemeinsame Perspektive darauf entwickelt, wie Naturwiederherstellung und Klimarisikominderung Hand in Hand gehen können.“