CORDIScovery Vodcast – Folge #5 – Mut schöpfen aus Technologie – ein Blick in die Gesundheitsversorgung der Zukunft
Hierbei handelt es sich um eine KI-Transkription.
00:00:00:00 - 00:00:50:22
Anthony Lockett
Hallo und herzlich willkommen zu dieser Sonderfolge des CORDIScovery-Podcasts. Heute werden wir uns mit einigen spannenden Innovationen in der Gesundheitsforschung befassen, die Veränderungen in der Art und Weise herbeiführen könnten, wie wir Krankheiten vorbeugen, diagnostizieren und behandeln. Wir erfahren, welche Anstrengungen unternommen werden, um Injektionen ohne Nadel durchzuführen, wir lernen neue Diagnostikinstrumente und Therapien für Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern kennen, und erfahren, wie tragbare Technologien genutzt werden, um lebensbedrohliche Zustände wie Sepsis zu erkennen, und welchen Einfluss städtische Lebensräume auf unsere Gesundheit ausüben.
00:00:50:24 - 00:01:17:11
Anthony Lockett
Ich habe heute Vertreter von fünf Projekten zu Gast, die Finanzmittel aus dem EU-Programm Horizont Europa erhalten haben. Diese Projekte veranschaulichen, wie die Forschung das Leben verbessern und die Gesundheitsversorgung in Zukunft neu gestalten kann. Ein herzliches Willkommen an David Fernandez Rivas vom Projekt BuBble Gun, an Professor Stéphane Hatem, Vertreter des Projekts MAESTRIA, Dr. Bruno Miranda vom Projekt eMOTIONAL Cities,
00:01:17:13 - 00:01:54:03
Anthony Lockett
Dr. Andreu Climent, Geschäftsführer von Corify Care, und Christoforos Panteli vom Projekt SepsISensoR. Also, David, lassen Sie uns mit dem Projekt BuBble Gun beginnen. Ziel Ihres Projekts ist es, nadelfreie Methoden zur Injektion von Flüssigkeiten zu entwickeln. Welche Vorteile bestehen in Bezug auf das Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten, die Sicherheit und die Abfallverminderung?
David Fernandez Rivas
Genau. Nun, der Hauptaspekt, der Umweltaspekt, den Sie gerade erwähnten, besteht darin, dass wir zu viele Nadeln benutzen, und dass wir uns bemühen, die Zahl der Behandlungen, die eine Nadel erfordern, zu reduzieren, weil die eine Menge Abfall erzeugen.
00:01:54:05 - 00:02:15:24
David Fernandez Rivas
Der nächste wichtige Aspekt unserer Technologie lautet, dass sie personalisierbar ist, weil wir winzige Tröpfchen in sehr oberflächliche Hautschichten injizieren, und das können wir dann auf eine sehr spezifische Weise tun, damit nur die erforderliche Dosis verabreicht wird.
Anthony Lockett
Verstehe. Und was denken die Patientinnen und Patienten darüber?
David Fernandez Rivas
Nun, noch haben noch keine Tests mit Versuchspersonen durchgeführt.
00:02:15:24 - 00:02:37:07
David Fernandez Rivas
Wir haben hauptsächlich Laborversuche unternommen. Die Hypothese besagt, dass die Injektion so oberflächlich erfolgt, dass nie die Nervenendigungen berührt werden, die erst das Schmerzsignal geben. Außerdem geschieht alles so schnell und mit einem derart geringen Volumen, dass Sie nichts spüren sollten.
Anthony Lockett
Gut. Und können Sie uns in relativ einfachen Worten beschreiben, welche Wissenschaft hinter dieser Innovation steckt?
00:02:37:09 - 00:03:03:22
David Fernandez Rivas
Die Wissenschaft beginnt mit dem Einsatz von sehr erschwinglichen Lasern, Diodenlasern, wie sie heute jeder zu Hause in seinen Lampen vorfindet. Aber vor ein paar Jahren verkörperten sie noch eine völlig neue Technologie. Wir nutzen sie als eine Energiequelle, um die Flüssigkeit durch ein als Kavitation bekanntes Phänomen in Bewegung zu versetzen. Also: Wir lassen einfach Blasen entstehen. Deshalb lautet der Projekttitel BuBble Gun, Blasen-Pistole, und die Flüssigkeit bewegt sich mit einer derart hohen Geschwindigkeit, dass sie sich ihren Weg zwischen den Hautzellen hindurch bahnen kann.
00:03:03:24 - 00:03:24:03
Anthony Lockett
Und warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür? Warum war das nicht schon früher möglich?
David Fernandez Rivas
Das ist auf eine Kombination aus verschiedenen Faktoren zurückzuführen. Das Umweltelement trat während der Pandemien deutlich zutage. Es geht um die Abfallmenge, die bei jeder Injektion anfällt, denn man muss sich vorstellen, dass auch der Kunststoff, das Metall, die Herstellung, die Sterilisierung und der Transport zum Einsatzort dazugehören.
00:03:24:03 - 00:03:45:08
David Fernandez Rivas
Und danach kann das Material nicht einfach weggeworfen werden. Es muss korrekt entsorgt werden. Außerdem geht es auch auf eine Kombination aus dem Wissen, über das wir an der Universität Trent verfügen, aus meiner Erfahrung in der Mikrofluidik und dem Aufkommen neuer Technologien wie Diodenlaser zurück. Aus all diesen Faktoren wird ein tragbares Gerät entstehen, an dem wir jetzt Schritt für Schritt arbeiten.
00:03:45:10 - 00:04:06:08
Anthony Lockett
Sehr gut. Vielen herzlichen Dank, David. Ich wende mich jetzt an Sie, Stéphane. Ihre Projektarbeit zielt auf die Entwicklung neuer Diagnostikinstrumente und Therapien für Vorhofflimmern ab. Wie groß ist dieses Gesundheitsproblem heute in Europa?
Stéphane Hatem
Es handelt sich um ein sehr großes Gesundheitsproblem, weil zum einen die Prävalenz von Vorhofflimmern mit der allgemeinen Alterung der Bevölkerung und dem Lebensstil zunimmt.
00:04:06:08 - 00:04:30:19
Stéphane Hatem
Wir rechnen mit einer regelrechten Epidemie des Vorhofflimmerns. Gleichzeitig ist es die erste Ursache für Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzversagen. Zweifellos existiert ein großes Gesundheitsproblem. Und heute besteht die Schwierigkeit darin, die Risikopatientinnen und -patienten besser herausfiltern zu können. Wenn Sie eine erste Episode des Vorhofflimmerns erleiden, bei wem wird dann eine zweite Episode von Vorhofflimmern eintreten? Wie sehr sind Sie dem Risiko eines Schlaganfalls ausgesetzt?
00:04:30:21 - 00:04:59:01
Stéphane Hatem
Heute gestaltet es sich schwierig, diese beiden Parameter vorherzusagen. Deswegen haben wir ein digitales Instrument geschaffen, das den klinischen Fachkräften zugänglich ist. Bei diesem digitalen Werkzeug kommen Modelle zum Einsatz, die wir mit maschinellem Lernen erstellt haben. Dieses Modell bezieht klinische Parameter ein, die aus der Routinepraxis, etwa CT-Scan, Echo, Elektrokardiogramm, stammen.
00:04:59:03 - 00:05:26:01
Stéphane Hatem
Die Klinikärztin erhält über eine Verbindung zu diesem Server Zugang zu diesem Modell und kann für jede betroffene Person das Prognoserisiko im Sinne dessen ermitteln, was wir heute als personalisierte Medizin bezeichnen.
Anthony Lockett
Und wie weit ist diese digitale Plattform heute verbreitet?
Stéphane Hatem
Nun, wir befinden uns in der Phase, in der wir diese Plattform auf fundierte Weise validieren müssen, um sie bekannt und beliebt werden zu lassen.
00:05:26:01 - 00:05:52:23
Stéphane Hatem
Wir haben mit einer Anzahl von Prüfärztinnen und -ärzten eine europaweite Patientenkohorte entwickelt und werden mit ihnen die Nutzung dieser Plattform validieren, bevor sie einem größeren Publikum zugänglich sein wird.
Anthony Lockett
Und wie sieht es mit der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessengruppen innerhalb des Projekts aus? Da wären, wie Sie es beschrieben haben, das ärztliche Klinikpersonal, die Patientinnen und Patienten, und vermutlich arbeiten Sie auch mit der Industrie zusammen.
00:05:53:03 - 00:06:17:16
Anthony Lockett
Wie gut funktioniert das?
Stéphane Hatem
Zunächst tritt dieses Gemeinschaftsunternehmen die Nachfolge eines früheren europäischen Konsortiums aus dem RP7 an. Wir sind tatsächlich eine Art europäische Gemeinschaft auf dem Gebiet des Vorhofflimmerns und der atrialen Myopathie. Wir haben dieses Gemeinschaftsunternehmen aufgebaut, wir sind es gewohnt, alle zusammenzuarbeiten, und wir haben für MAESTRIA neue Partner aus der Industrie, neue Patientinnen und Patienten, zusammengebracht.
00:06:17:16 - 00:06:39:15
Stéphane Hatem
Aber wir verfügen bereits über eine Matrix, die vorhanden ist, und zwar unsere gemeinsame Geschichte, was die Dinge stark vereinfacht.
Anthony Lockett
Sehr interessant. Ich danke Ihnen vielmals. Ich bin sicher, dass wir in der Diskussion auf einige dieser Punkte zurückkommen werden. Aber lassen Sie mich zum Projekt eMOTIONAL Cities übergehen. Bruno, Ziel des Projekts ist es, die Gesundheit über ein besseres Verständnis des Zusammenspiels der Menschen in städtischen Räumen zu stärken.
00:06:39:17 - 00:07:02:12
Anthony Lockett
Das mag für manche Leute etwas theoretisch klingen. Können Sie etwas konkreter erklären, was das bedeutet?
Bruno Miranda
Ja, sicher. Das kann durchaus für theoretisch gehalten werden, aber es bedeutet, dass wir eine neue Perspektive in den Bereich der Stadtplanung und -gestaltung einbringen, indem wir Methoden und auch neue Technologien aus dem Bereich der Neurowissenschaften berücksichtigen.
00:07:02:14 - 00:07:36:00
Bruno Miranda
Die Idee dahinter besteht darin, dass, wenn über die Komplexität der Stadt und die Art und Weise, wie die Menschen sie erleben, nachgedacht wird, es interessant ist, aus der Perspektive des einzelnen Menschen zu erfahren, welche Auswirkungen all diese Dinge haben, denen sie in der Stadt ausgesetzt sein können. Und so beginnen wir natürlich mit dem, was wir über diese beiden Gebiete wissen, aber wir gehen so vor, dass wir diese beiden Informationen miteinander verbinden, weil wir glauben, dass dies der Weg ist, um menschliches Verhalten zu verändern.
00:07:36:03 - 00:08:16:18
Bruno Miranda
Aus der Perspektive, wie unsere Umwelt die Bürgerinnen und Bürger beeinflusst, aber auch, wie die Menschen ihr Verhalten ändern könnten.
Anthony Lockett
Und in welchen Städten haben Sie geforscht?
Bruno Miranda
Wir wählten vier Fallstudienstädte aus: Lissabon, Kopenhagen, London und Lansing im Bundesstaat Michigan in den Vereinigten Staaten. Wir haben diese Städte aufgrund ihrer unterschiedlichen Strukturen in Bezug auf verschiedene Eigenschaften ausgewählt, natürlich auch unter Berücksichtigung der demografischen und städtebaulichen Perspektive sowie der Tatsache, dass es Partner gab, die mit uns in diesen Städten zusammenarbeiteten.
00:08:16:20 - 00:08:53:21
Anthony Lockett
Verstehe. Und wie haben Sie die Arbeit vor Ort organisiert?
Bruno Miranda
Wir arbeiteten aus der Perspektive der lokalen Gemeinschaft heraus und haben versucht, einige relevante politische und lokal relevante Fragen und Herausforderungen anzupassen. Wenn wir beispielsweise reale Experimente durchführen und Stadtrundgänge mit tragbaren Geräten durchführen, wählen wir diese Orte auf der Grundlage dessen aus, was uns eine räumliche Analyse von Urban Analytics als informativ und als relevante Hotspots anzeigt.
00:08:53:23 - 00:09:20:08
Bruno Miranda
Wir versuchen jedoch auch herauszufinden, was die Interessengruppen vor Ort tatsächlich an neuen Erkenntnissen oder neuen Informationen interessiert, die ihnen nutzen können.
Anthony Lockett
Ich verstehe. Und wie könnten bei der Stadtplanung, zum Beispiel durch lokal gewählte Abgeordnete, einige der Erkenntnisse aus Ihrer Forschung berücksichtigt werden, um die Gesundheit der Menschen in einem städtischen Lebensraum zu verbessern?
00:09:20:10 - 00:10:03:01
Bruno Miranda
Ich denke, dass wir aus verschiedenen Blickwinkeln immer noch die Perspektive einer eher mikroskopischen Ebene oder der Ebene geografischer Informationssysteme vor uns haben. Man könnte immer noch viele der statistischen Daten verwenden, über die jedes Land aus Volkszählungen und Umfragen verfügt. Aber wir könnten noch tiefer gehen, was das Wissen darüber angeht, wie wir diese Informationen auf der Ebene der Nachbarschaft kombinieren könnten, und sogar noch weiter, auf die Ebene der Straße, sodass Sie tatsächlich sehr detaillierte Informationen darüber erhalten könnten, was auf Straßenebene in Ihrer Gemeinschaft geschieht.
00:10:03:03 - 00:10:33:15
Bruno Miranda
Das könnte Auswirkungen haben, und was noch wichtiger ist: Das Ganze ist auf den Menschen ausgerichtet. Sie werden Informationen bereitstellen, die viel genauer als die Korrelationen sind, die wir vielleicht bei einigen Herausforderungen verwenden.
Anthony Lockett
Herzlichen Dank, Bruno. Wenn ich mich nun an Andreu wenden darf: SAVE-COR ist eine Abkürzung der Anfangsbuchstaben des Titels Ihres Projekts, und steht für etwas ziemlich Kompliziertes, und zwar die Stratifizierung von Vorhof- und Kammerarrhythmien auf der Grundlage von Elektrokardiogramm-Bildgebung.
00:10:33:17 - 00:10:52:16
Anthony Lockett
Können Sie uns etwa aufklären, was das bedeutet?
Andreu Climent
Aber sicher. Zuerst möchte ich Ihnen danken. Es ist großartig, die Gelegenheit zu bekommen, nach Stéphane zu sprechen, denn wie er schon sagte, treten Herzrhythmusstörungen geradezu epidemisch auf. Wie er hervorhebt, besteht eines der Hauptprobleme in Europa darin, dass fast zehn Millionen Patientinnen und Patienten an Herzrhythmusstörungen leiden.
00:10:52:18 - 00:11:14:12
Andreu Climent
Tag für Tag führen wir etwa 1 000 Eingriffe am Herzen durch, um diese Arten von Herzrhythmusstörungen zu behandeln. So großartig es auch ist, dass wir zumindest über diese Möglichkeiten des Eingriffs verfügen, ist es dennoch schlecht, dass wir nur bei 50 % der Betroffenen Erfolge sehen. Wir bringen die Menschen ins Katheterlabor oder in den Operationssaal, führen Katheter in das Herz ein und versuchen dann, die Arrhythmie zu stoppen, indem wir die die Arrhythmie verursachende Region mittels Hitze zerstören.
00:11:14:14 - 00:11:34:12
Andreu Climent
Aber wir scheitern dabei. Und warum? Weil wir nicht über die im Herzen anwendbare Technologie verfügen, eine Technik, um zu sehen, woher diese Arrhythmie kommt. Letztlich behandeln wir empirisch gesehen bei jeder betroffenen Person den gleichen Gradienten. Ich war Ingenieur. Ich war im Wissenschaftsbetrieb, arbeitete in Krankenhäusern und versuchte, den Leuten in der Klinik dabei zu helfen, zu erkennen, was dort vor sich ging.
00:11:34:14 - 00:11:55:02
Andreu Climent
Und wir fragten uns: Was wäre, wenn wir das Herz global, nichtinvasiv, auf eine sichere und effiziente Weise kartieren könnten? Das war der Beginn von Corify Care. Es handelt sich um eine Firma, die dank EIT Health und der Unterstützung durch die Europäische Union ein Start-up-Unternehmen ist. Vor nunmehr sechs Jahren konnten wir vom Prototyp zu einem Produkt übergehen. Heute sind wir bereits auf dem Markt.
00:11:55:04 - 00:12:14:22
Andreu Climent
Wir können bereits die CE-Kennzeichnung vorweisen. Wir sind europaweit in drei Ländern. Mehr als 1 000 Patientinnen und Patienten werden pro Jahr mit unserer Technologie behandelt, und es werden immer mehr. Im Endeffekt ist es das, was wir brauchen, um Herzrhythmusstörungen zu erkennen, aber wir müssen sicher sein, dass wir jeder einzelnen betroffenen Person die bestmögliche Behandlung anbieten können.
Anthony Lockett
Ich hätte eine ähnliche Frage wie die, die ich vorhin gestellt habe.
00:12:14:24 - 00:12:33:13
Anthony Lockett
Können Sie mir sagen, warum die Technologie heute auf eine Weise funktioniert, die früher nicht möglich war?
Andreu Climent
Es ist einfach eine großartige Technologie. Und, ja, das ist eine sehr gute Frage. Diese Technologie, die wir ursprünglich im Rahmen von Grundlagenforschung entwickelten, besteht darin, den Brustkorb der Person zu scannen und die elektrische Aktivität aus einer 3D-Rekonstruktion heraus zu rekonstruieren und digitale Zwillinge zu erzeugen.
00:12:33:15 - 00:12:56:03
Andreu Climent
Noch vor zehn Jahren dauerte es etwa eine Woche, einen digitalen Zwilling zu generieren. Heute ist ein individueller digitaler Zwilling Sekundensache. Es läuft Bit für Bit in Echtzeit. Das ist zum einen den besseren Algorithmen zu verdanken, die einzigartig sind; und die künstliche Intelligenz trägt viel dazu bei, aber auch die Rechenkapazität.
00:12:56:03 - 00:13:16:21
Andreu Climent
Wir verfügen jetzt innerhalb des Krankenhauses über in Echtzeit-Rechenkapazitäten, von denen wir vor einigen Jahren noch nicht einmal träumen konnten.
Anthony Lockett
Ja. Und vermutlich geschieht das Ganze auch für die Betroffenen weniger invasiv.
Andreu Climent
Am Ende setzen wir die Technologie jetzt im Krankenhaus während der Eingriffe ein, weil wir wirklich sicher sein möchten, dass sie funktioniert, aber sie ist völlig nichtinvasiv.
00:13:16:23 - 00:13:42:23
Andreu Climent
Wir entwickeln bereits eine vereinfachte Version des Systems, damit es bei jedem Kardiologietermin oder auch lieber heute als morgen in den Notaufnahmen zur Infarkterkennung, oder bei jeder kardiologischen Kontrolluntersuchung anstelle eines EKGs, einer 100 Jahre alten Technologie, zum Einsatz kommen kann, damit Ihr echter digitaler Zwilling erstellt wird, der es dem ärztlichen Klinikpersonal zeigen kann, wie es um Ihr Herz bestellt ist und wie jegliche Herzrhythmusstörungen in Zukunft verhindert werden können.
00:13:43:03 - 00:14:06:09
Anthony Lockett
Okay, das ist eine fantastische Sache. Nun zu guter Letzt wende ich mich an Christoforos vom Projekt SepsISensoR. Sie arbeiten an einem tragbaren Gerät, mit dem bei gefährdeten Menschen Biomarker gemessen werden können, die möglicherweise auf eine Sepsis hinweisen. Zunächst einmal: Wie gefährlich ist diese Erkrankung und wie viele Menschen in Europa sind davon betroffen? Ungefähr.
Christoforos Panteli
Nun. Lassen Sie mich zunächst eine Korrektur vornehmen.
00:14:06:11 - 00:14:28:03
Christoforos Panteli
Es handelt sich nicht um einen tragbaren Sensor. Der Grund dafür, dass es kein Wearable-Sensor ist, besteht darin, dass diese Sensoren als etwas definiert sind, das wir wie eine Smartwatch im Alltag tragen können. Aber unserer Vorstellung nach ist diese Art von Gerät für Menschen auf Intensivstationen gedacht. Und der Grund dafür ist, dass jährlich elf Millionen Menschen an Sepsis sterben.
00:14:28:05 - 00:14:50:08
Anthony Lockett
Ist das eine globale Zahl?
Christoforos Panteli
Oh, ja. Wenn wir das ausrechnen, dann stirbt etwa alle 2,8 Sekunden jemand an Blutvergiftung. Ja, das ist offensichtlich ein großes Problem. Und wir versuchen, das Problem mit der Ausatemluft zu lösen. Der Grund dafür ist, dass Sepsis erst dann erkannt wird, wenn bereits klinische Symptome auftreten.
00:14:50:10 - 00:15:15:10
Christoforos Panteli
Doch dann ist es oft schon zu spät. Deshalb dachten wir, dass diese Signale, diese Biomarker, in der Atemluft auftreten könnten, noch während sich die Sepsis entwickelt, noch bevor klinische Symptome eintreten. Und die Idee entstand aus der Tatsache, dass die Bakterien innerhalb des Körpers wachsen und eine Infektion verursachen. Dann breitet sich die Infektion im Blut und in den Organen aus. Und offensichtlich ist sie im Atem feststellbar.
00:15:15:12 - 00:15:35:18
Anthony Lockett
Ich verstehe. Sie haben zu Recht klargestellt, dass es sich nicht um ein Wearable im Sinne einer Smartwatch oder etwas in dieser Art handelt. Aber wie würden Sie es beschreiben, wie es physisch aussehen wird?
Christoforos Panteli
Genau. In einer Situation, in der jemand auf der Intensivstation liegt, nach einem chirurgischen Eingriff oder mit einer anderen Erkrankung, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass sich eine Sepsis entwickelt.
00:15:35:20 - 00:15:57:21
Christoforos Panteli
Wir stellen uns eine Maske auf dem Gesicht vor, mit einem Gerät an der Seite des Bettes, mit dem die Ausatemgase überwacht werden. Wir haben jedoch noch keine klinischen Studien durchgeführt, um unser Ziel zu erreichen. Wir befinden uns in der In-vitro-Phase. Also erst finden In-vitro-Versuche mit Bakterien statt, dann In-vivo-Versuche mit Mäusen und zum Schluss Versuche am Menschen.
00:15:57:23 - 00:16:23:15
Christoforos Panteli
Aber die In-vitro-Tests verliefen ziemlich ermutigend. Wir sind in der Lage, die Infektion in Bakterienkulturen viel schneller zu erkennen. So können wir eine Infektion in Abhängigkeit von ihrer Heftigkeit, also von der Menge der Bakterien, innerhalb von zwei bis acht Stunden nachweisen, während das derzeit übliche Protokoll über Nacht läuft.
00:16:23:17 - 00:16:43:13
Christoforos Panteli
Es dauert heute 24 Stunden, bis das Wachstum der Bakterienkultur mikrobiologisch bestätigt ist und mitgeteilt werden kann, ob es sich um eine Infektion handelt oder nicht. Mit Echtzeit- und Gassensoren hingegen können wir sie weitaus schneller erkennen.
Anthony Lockett
Inwieweit sind künstliche Intelligenz, Big Data, maschinelles Lernen usw. bei Ihren verschiedenen Projekten im Spiel, um Fortschritte zu erzielen?
00:16:43:15 - 00:17:13:04
David Fernandez Rivas
Nun, etwas, das wir alle haben, ist Haut. Und sie ist etwas sehr persönliches. Ihr Zustand hängt von Ihrem Alter, Ihrer ethnischen Zugehörigkeit und den Wetterbedingungen ab. Im Rahmen des Folgeprojekts, das wir jetzt durchführen, steht FlowBeams als ein Spin-off-Unternehmen da, das aus einem Teil der Forschungsarbeiten hervorgegangen ist, die ich mit meiner ERC-Finanzhilfe durchgeführt habe. Dort gibt es ein Arbeitspaket, in dem wir gemeinsam KI-Werkzeuge entwickeln, die uns dabei helfen können, besser zu verstehen, wie die Haut vor, während und nach einer nadelfreien Injektion reagiert.
00:17:13:06 - 00:17:33:24
David Fernandez Rivas
Das ist von entscheidender Wichtigkeit, denn wenn der Mensch jünger ist oder gut mit Feuchtigkeit versorgt, reagiert die Haut ganz anders auf die von uns entwickelte Technologie. Wir brauchen sie, um sicherzustellen, dass wir die von uns erforschte personalisierte Behandlung realisieren können.
Anthony Lockett
Ich verstehe. Und Stéphane, wie wichtig ist künstliche Intelligenz in Ihrem Projekt?
00:17:33:24 - 00:18:07:03
Stéphane Hatem
Die biomedizinische Forschung steht in verschiedenen Bereichen vor großen Herausforderungen in Form von Big Data, die durch Omik-Technologien, durch klinische Bildgebung erzeugt werden. KI wird zweifellos zum wichtigen Werkzeug für die Forschung, um diese Daten zu manipulieren, zu analysieren und zu clustern. Ich denke, dass alle Projekte, die wir jetzt durchführen, eine Fachkraft für Datenwissenschaften oder Informatik an Bord haben müssen, um dieses Fachwissen bei neuer Forschung
00:18:07:03 - 00:18:30:05
Stéphane Hatem
über Biomedizin und die Gebiete Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen und diagnostische Instrumente in dieser neuen Dimension der biomedizinischen Forschung zusammenzubringen.
Anthony Lockett
Und gibt es andere besondere Sicherheitsvorkehrungen, die Sie treffen müssen, weil es sich hier offensichtlich um sehr sensible persönliche und medizinische Daten handelt?
Stéphane Hatem
Ja. Das ist ein schwieriger Teil bei dieser Art von Forschungsprogramm.
00:18:30:07 - 00:18:54:21
Stéphane Hatem
Jetzt verfügen wir über diesen Raum zur gemeinsamen Nutzung von Daten in Europa, die Gaia-X-Dateninfrastruktur, die vieles erleichtert, wobei sich der Beginn des Projekts verzögert hatte, weil Daten geteilt werden müssen. Es handelt sich um eine wichtige Frage, ein Hauptproblem in Europa, das meiner Meinung nach jetzt teilweise gelöst ist.
Anthony Lockett
Ja. Andreu, darf ich Sie etwas fragen, denn ich habe den Eindruck, dass Sie mit Ihrem Projekt bereits ziemlich weit vorangekommen sind.
00:18:54:23 - 00:19:19:16
Anthony Lockett
Welchen Rat würden Sie den anderen Kollegen am Tisch oder uns vielleicht zuhörenden Leuten geben? Wenn sie den Wunsch haben, ihre Forschungserfolge auf die nächste Stufe der Kommerzialisierung und Anwendungssicherheit zu bringen.
Andreu Climent
Oh, vielen Dank. Es stimmt, dass wir fast vierzig Personen im Unternehmen und bereits in mehreren Ländern vertreten sind. Die Wahrheit ist, dass ich aus der Wissenschaft komme, von der Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten und Forschung sowie natürlich von der Beantragung von Finanzhilfen.
00:19:19:18 - 00:19:43:15
Andreu Climent
Wenn Sie etwas unternehmen, das ein Bedürfnis, ein Problem von jemandem, dem ärztlichen Personal oder einem Unternehmen, löst, muss letztendlich aber ganz klar ersichtlich sein, dass es einen Markt gibt. Und Sie sollten den Markt verstehen, sobald Sie damit beginnen, Ihre Ideen für die Forschung auszuarbeiten. Sie müssen verstehen, wer von Ihrer Forschung profitieren wird, wer für das bezahlen wird, was Sie mit Ihrer Forschung hervorbringen werden.
00:19:43:15 - 00:20:02:17
Stéphane Hatem
Ich denke, es sollte zur Pflicht werden, dass wir, sobald wir diese Dinge tun, darin geschult werden, diese Art von Fragen zu verstehen.
Anthony Lockett
Und Bruno: Ich nehme an, dass viele von uns selbst in Städten leben. Was können wir persönlich tun, um sicherzustellen, dass es uns bestmöglich ergeht und wir auf unsere Gesundheit achten, wenn wir uns im städtischen Lebensraum bewegen?
00:20:02:22 - 00:20:30:23
Bruno Miranda
Nun, aus unserer Sicht bei eMOTIONAL Cities müssen wir wohl kritischer sein, was die aktuellen Erkenntnisse angeht, über die wir verfügen. Wir müssen die für Entscheidungen und politisch Verantwortlichen dazu drängen, die von uns zur Verfügung gestellten Daten weitergehend zu nutzen. Denn selbst wenn wir mit einem Problem des Klimawandels konfrontiert sind, gehen wir es gegenwärtig mit statistischen Korrelationen an, indem wir aus den Daten Rückschlüsse ziehen.
00:20:30:23 - 00:20:59:24
Bruno Miranda
Aber wir haben eigentlich keine Nachweise aus Sicht der Menschen. Welche Auswirkungen hat es tatsächlich, wenn ich auf meine Straße gehe und in meiner Straße laufe? Ich denke, es geht um die Befähigung, die die Bürgerinnen und Bürger erlangen müssen, um sich für eine stärker faktengestützte und evidenzorientierte Politikgestaltung und Entscheidungsfindung einzusetzen.
Anthony Lockett
Nun vielleicht noch ein letztes Wort von Christoforos: Sie berichteten darüber, dass sich Ihr Projekt in der In-vitro-Phase befindet.
00:21:00:01 - 00:21:19:16
Anthony Lockett
Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, um es auf die nächste Stufe zu bringen? Wie wird sich das Projekt in den nächsten Jahren entwickeln?
Christoforos Panteli
Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage. Damit sich das Projekt besser weiterentwickeln und in Schwung kommen kann, müssen wir noch einige Experimente durchführen, um weitere Daten zu sammeln. Glücklicherweise, oder auch leider, haben wir noch keine KI eingesetzt.
00:21:19:18 - 00:21:47:17
Christoforos Panteli
Wir nutzen einen völlig anderen Algorithmus, die sogenannte Change Point Detection, eine Änderungspunkterkennung, die bislang sehr robust und schnell funktioniert. Wir möchten dafür sorgen, dass der Algorithmus mehr Daten verarbeiten kann, und gewährleisten, dass wir nicht nur die Infektion, sondern auch das die Infektion verursachende Bakterium erkennen können. Das wird unsere nächste Etappe sein. Danach werden wir den Prototyp eines intelligenten Inkubators entwickeln, den Mikrobiologielabors und Krankenhäuser nutzen können, um die Erkennung dieser Infektion zu beschleunigen.
00:21:47:22 - 00:22:31:06
Anthony Lockett
Großartig. Vielen herzlichen Dank. Ein herzliches Dankeschön an alle Gäste, dass Sie mit dabei waren. Und an Sie, dass Sie bei dieser Folge reingehört haben. Folgen Sie uns auf Spotify und Apple Podcasts und besuchen Sie die Podcast-Homepage auf der CORDIS-Website. Melden Sie sich an, damit Ihnen die spannendsten Forschungsergebnisse der EU-finanzierten Wissenschaft nicht entgehen. Weitere Informationen und Projektbeispiele finden Sie auf der CORDIS-Website, auf der Website der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation und in unserem Online-Magazin Horizon.