Kreisläufe schließen: Konzept für kreislauffähige Textilien
Europaweit fallen Jahr für Jahr Millionen Tonnen Textilabfälle an, jedoch nur ein Bruchteil davon wird recycelt. Haushaltstextilien, der größte Abfallstrom des Sektors, bestehen aus einer komplexen Mischung aus Fasern und Materialien. Die meisten Recyclingtechnologien funktionieren faserspezifisch, und die Sortierung erfolgt gegenwärtig noch weitgehend manuell. Ein nachhaltiges und sicheres Kreislaufprinzip erfordert kontrollierte Materialströme. Das EU-finanzierte Projekt tExtended(öffnet in neuem Fenster) ist diesem Erfordernissen gewidmet. Vier Jahre lang entwickelte das Konsortium ein wissensbasiertes Konzept für optimierte Textilkreisläufe. Das Ziel lautet, das Potenzial für eine Reduzierung des Textilabfalls um bis zu 80 % durch erweiterte Wiederverwendung von Textilien und fortgeschrittene Recyclingtechnologien aufzuzeigen. Neben der Abfallreduzierung wird ein nachhaltigeres Textilökosystem Realität werden.
Rückverfolgbarkeit und intelligenteres Lenken und Recyceln
Effektives Recycling beginnt mit der Kenntnis der Bestandteile eines Materials. „tExtended hat Instrumente wie die hyperspektrale Bildgebung entwickelt und erprobt, mit denen sich die Zusammensetzung von Textilien mit hoher Genauigkeit bestimmen lässt“, erklärt Projektkoordinatorin Pirjo Heikkilä von der Forschungszentrale VTT(öffnet in neuem Fenster). In einer wissenschaftlichen Veröffentlichung(öffnet in neuem Fenster) wird die Bedeutung der Instrumente als Qualitätskontrollmethode beim Sortieren hervorgehoben. Zudem werden gegenwärtig neue Qualitätskontrollkonzepte im Rahmen der Demonstrationsaktivitäten im realen Maßstab getestet. Ergänzend dazu ist das Rückverfolgbarkeitswerkzeug von tExtended derart konzipiert, dass es direkt in den bevorstehenden digitalen Produktpass (DPP) der EU einfließt, der bis 2030 für Textilien verbindlich ist. Die Gesetzgebung wird digitale Daten über die Herkunft, die Zusammensetzung, die Reparierbarkeit und die Optionen eines Produkts am Ende seiner Lebensdauer verlangen, die möglicherweise über einen QR-Code oder einen RFID-Tag (Funkfrequenzkennzeichnung) abgerufen werden können. Die Werkzeuge von tExtended zur Rückverfolgbarkeit von Textilien und zum digitalen Produktpass werden dies unterstützen und sicherstellen, dass Materialinformationen bei der Herstellung erfasst werden und für Sortier-, Recycling- und Verbrauchszwecke während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts verfügbar bleiben. Der Textilabfallrouter von tExtended ist ein Entscheidungshilfewerkzeug, das die Interessengruppen dabei unterstützt, für verschiedene Materialtypen die am besten geeignete Strategie zu ermitteln. „Unser Textilabfallrouter wird dazu beitragen, Textilabfallströme zu optimieren und die Auswirkungen der verschiedenen Lenkungsoptionen einschließlich der Wiederverwendung von Textilien, der Wiederaufbereitung und verschiedener Recyclingmethoden zu verstehen“, erklärt Heikkilä. Er kann gleichermaßen dazu dienen, das Bewusstsein für Kreislaufstrategien zu schärfen, die für verschiedene Arten von textilen Materialien geeignet sind. Zudem wurden im Rahmen des Projekts Farbentfernungsprozesse, die den Wert der zurückgewonnenen Fasern erhöhen, sowie Trennverfahren, die für Textilien mit gemischter Zusammensetzung geeignet sind, und etliche Recyclingansätze (fasermechanische, thermomechanische und chemische) entwickelt.
Mit Modellierung und Vergleichen in die Zukunft schauen
Das Team von tExtended wandte systemdynamische Modellierung an, um vorherzusagen, wie sich verschiedene Maßnahmen einschließlich Gesetzesänderungen auf die Textilabfallmengen und das Kreislaufökosystem auswirken könnten. Im Rahmen des Projekts wurden außerdem ökologische Vergleiche von Recyclingoptionen unter Einsatz eines „inhärent sicheren und nachhaltigen“ Rahmenwerks angestellt. Zusammen können diese Informationen den politisch Verantwortlichen und der Industrie eine Hilfe dabei sein, herauszufinden, wo Investitionen und Regulierung die größte Wirkung entfachen können.
Gesamte Kette vom Verbrauch bis zur Industrie einbinden
„Mehrere Industriepartner haben bereits neue Sammel-, Sortier- und Qualitätskonzepte in ihre Betriebsabläufe integriert, und es werden neue Geschäftsmöglichkeiten rund um Produkte mit einem hohen Anteil an Recyclingfasern aus Abfallquellen nach Gebrauch erwartet“, berichtet Heikkilä. Ein E-Learning-Zentrum auf der Projektwebsite wird Weiterbildung über Kreislaufwirtschaft an alle Interessengruppen von den Konsumierenden bis zu den Unternehmen vermitteln. Technische Lösungen allein können das Kreislaufprinzip nicht voranbringen. In den Workshops für soziale Innovation(öffnet in neuem Fenster) von tExtended wurde das Verbraucherbewusstsein geschärft und die Beteiligung an der Wiederverwendung und Vorsortierung von Textilien mithilfe von Gemeinschaftsaktivitäten in Finnland, Lettland, Irland und Belgien gefördert. Die Arbeit des Projekts tExtended zeigt, dass der großmaßstäbliche Umgang mit Textilabfällen eine ganzheitliche Lösung erfordert, die Sensortechnologien, digitale Infrastrukturen, optimierte Recyclingpfade, Umweltanalysen und die Einbeziehung zahlreicher Interessengruppen miteinander kombiniert. Das projekteigene Konzept steht kurz vor dem Abschluss und bietet einen zuverlässigen Fahrplan zur Umwandlung des Textilsektors Europas in eine Kreislaufwirtschaft.