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Eine intelligentere Beschaffungswirtschaft für eine bessere europäische Gesundheitsversorgung

Durch den Aufbau eines ebenfalls Netzes von Interessengruppen im Bereich der Innovation unterstützt das EU-finanzierte Projekt Procure4Health die europäischen Gesundheitssysteme bei der Umstellung von einer reaktiven Beschaffungswirtschaft zu einem bedarfsorientierteren Ansatz.

Die Gesundheitsversorgung in ganz Europa steht vor der Herausforderung, mit begrenzten Ressourcen noch mehr zu leisten. „Die Beschaffungswirtschaft ist in der Regel auf den Einkauf von Fertigprodukten ausgerichtet“, sagt Projektkoordinator Carlos Larrañeta Gómez-Caminero von der andalusischen öffentlichen Stiftung für Fortschritt und Gesundheit(öffnet in neuem Fenster) (Website auf Spanisch) in Spanien. „Wir wollten die Sache andersherum angehen. Indem wir zuerst unsere Herausforderungen definieren und dann den Markt nach Lösungen durchforsten.“

Das Modell auf den Kopf stellen

Procure4Health(öffnet in neuem Fenster) hat sich das Ziel gesetzt, die Art und Weise der Innovationsanwendung in den europäischen öffentlichen Gesundheitssystemen zu verändern. Anstatt einer Anpassung an bereits auf dem Markt befindliche Lösungen, ermutigte das Projekt Beschaffungsstellen im öffentlichen Gesundheitswesen dazu, zunächst den eigenen Bedarf zu ermitteln, und dann die entsprechende Entwicklung in Auftrag zu geben. Procure4Health führte 33 Partner aus 15 Ländern zusammen, darunter Beschaffungsstellen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie unterstützende Organisationen auf lokaler, regionaler und europäischer Ebene, die alle neue Wege zur Einführung von Innovationen im Gesundheitswesen erproben. Eine der Hauptaufgaben des Projekts bestand darin, die Beschaffungsstellen bei der Ermittlung ihres Beschaffungsbedarfs zu unterstützen. Die Partner widmeten sich neben der Gestaltung der Wertschöpfung und Reichweite der gruppenweisen Zusammenarbeit an Themen wie digitale Gesundheit, Nachhaltigkeit, Präzisionsmedizin und integrierte Gesundheitsversorgung. Gemeinsam wurde definiert, welche Herausforderungen auf alle Länder zutreffen, und darüber entschieden, welche Herausforderungen vorrangig angegangen werden sollen. Die Herausforderungen wurden zudem durch offene Marktkonsultationen mit Lieferanten nach der EAFIP(öffnet in neuem Fenster) – Methode abgeklärt. Im Rahmen des Projekts wurden überdies 29 Kaskadenschulungsmöglichkeiten finanziert, die den Erfahrungsaustausch in ganz Europa unterstützen sollen. Außerdem wurden neben einem detaillierten Aktionsplan(öffnet in neuem Fenster) für Einrichtungen im Gesundheitswesen, die diesen Ansatz neu anwenden, Partnerschaften gefördert, die dem Wissensaustausch und dem Kapazitätsaufbau dienen. Die Erkenntnisse und Ergebnisse des Projekts wurden ferner veröffentlicht und in einem Buch(öffnet in neuem Fenster) zusammengefasst.

Ein konkretes Ergebnis

Eines der wichtigsten Ergebnisse von Procure4Health ist THERESA PCP, ein EU-Folgeprojekt, das Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen aus Belgien, Estland, den Niederlanden, Polen und Spanien zusammenführt, um Vor-Ort-Systeme zur Krankenhausabwasseraufbereitung zu entwickeln und einige der gefährlichsten Schadstoffe im Gesundheitswesen zu entfernen. Derzeit gibt es kein einziges Verfahren für die kombinierte Behandlung von Antibiotika, Zytostatika und antibiotikaresistenten Bakterien. „Eine offene Marktkonsultation hat gezeigt, dass es zwar Lösungen für einzelne Schadstoffe, aber nicht für alle zusammen gibt“, so Larrañeta. Ein Ansatz für die vorkommerzielle Auftragsvergabe ermöglichte den Gesundheitssystemen eine umfassendere Entwicklung und Erprobung von Lösungen. „Mitanzusehen, wie aus dieser gemeinsamen Herausforderung im Zuge des Projekts eine finanzierte vorkommerzielle Auftragsvergabe hervorging, war ein echter Meilenstein“, merkte er an.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Das Projekt veränderte auch die Art und Weise der europaweiten Zusammenarbeit von Beschaffungsstellen im Gesundheitssektor. In Belgien und Frankreich schlossen sich die am Projekt beteiligten zentralen Beschaffungsstellen zu einer neuen Partnerschaft zusammen, die es ihnen ermöglicht, noch effektiver an innovativen Lösungen zu arbeiten. Für kleinere oder fragmentiertere Gesundheitssysteme kann ein solcher gemeinsamer Ansatz die Beschaffung von Innovationen erleichtern und wirtschaftlich rentabler machen. Procure4Health unterstrich zudem die Bedeutung einer wertorientierten Beschaffungswirtschaft, insbesondere für Dienstleister im Gesundheitswesen, die bewerten möchten, ob sich die Einführung einer neuen Lösung in der Praxis lohnt. Dies hat sich als einer der wichtigsten Bereiche des Projekts erwiesen, in denen weitere Arbeit erforderlich ist, da die Partner kontinuierlich Beschaffungskriterien anstreben, die über den reinen Preis hinausgehen.

Die nächsten Schritte

Auch wenn das Projekt im Mai 2025 endete, ist die Arbeit für Procure4Health noch in vollem Gange. Die Partner richten ihre Aufmerksamkeit nach wie vor auf Beschaffungskriterien unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit und Wertschöpfung, während an Vorschlägen für nachfolgende Projekte gearbeitet wird. Im Rahmen des Projekts wurde ebenfalls ein Strategiepapier(öffnet in neuem Fenster) mit Empfehlungen und praktische Maßnahmen zur Verbesserung des Verständnisses, zum Kapazitätsaufbau und zur Ausweitung der Innovationsbeschaffung im europaweiten Gesundheitswesen veröffentlicht. Doch für Larrañeta geht es um mehr als nur um die Beschaffungswirtschaft. „Nahezu 25 % der wöchentlichen Tätigkeit von klinischem Personal entfällt auf Verwaltungsaufgaben“, stellt er fest. Eine Verringerung dieser Belastung könnte der Ärzteschaft mehr Zeit verschaffen, die für die Patientinnen und Patienten genutzt werden kann.

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