Gesundheitssysteme aufbauen, die auf Menschen und nicht auf Krankheiten ausgerichtet sind
Wie können wir Ungleichheiten in der Langzeitpflege verhindern, insbesondere angesichts Europas alternder Bevölkerung? Das Ziel des 2024 gestarteten EU-finanzierten Projekts BUILD(öffnet in neuem Fenster) bestand darin, die Pflegesysteme in ganz Europa zu erfassen und zu untersuchen, wie sich soziale Ungleichheiten auf den Zugang zur Pflege und Versorgung sowie deren Ergebnisse auswirken. Die Arbeit von BUILD befindet sich nun in ihrem letzten Jahr, wobei der Schwerpunkt von der Forschung und der Sammlung von Erkenntnissen hin zur aktiven Entwicklung von Lösungen verlagert wird, die die Pflegesysteme an die tatsächlichen Lebensumstände älterer Erwachsener mit komplexen Gesundheitsbedürfnissen, ihrer Pflegepersonen und der sie unterstützenden Fachkräfte anpassen. Zu diesem Zweck werden Interessengruppen, politische Analysen und Ko-Kreationsprozesse eingebunden, die den Weg zu einer stärker personenzentrierten, integrierten Pflege innerhalb der EU weisen können.
Szenarien erkunden, Politik Sachkunde verleihen
Einen zentralen Pfeiler dieser neuen Phase bildet die Durchführung innovativer Szenario-Workshops. Diese dienen als Plattform für ältere Pflegebedürftige und informelle Pflegepersonen, um ihre Sichtweisen zur Rolle von Technologie in der personenzentrierten, integrierten Pflege auszutauschen. In den Workshops werden fiktive, aber realistische Geschichten, die auf vorhandenen Technologien beruhen, als Gedankenexperimente herangezogen. Die Teilnehmenden hinterfragen diese Szenarien, ermitteln, was funktioniert und was nicht, und gewinnen auf diese Weise Klarheit über ihre eigenen Präferenzen. Dieser Prozess versetzt sie in die Lage, in Ko-Kreation eine gemeinsame Vision für Pflegesysteme zu entwickeln, die ihren heutigen Bedürfnissen entsprechen, anstatt auf eine ferne Zukunft zu hoffen. Das Team von BUILD erarbeitet außerdem evidenzbasierte Empfehlungen in Richtung Politik und Governance. Diese Erkenntnisse werden in Kürze im Rahmen von Mitgestaltungs-Workshops unter Einbeziehung von Interessengruppen aus fünf Ländern sowie durch Konsultationen mit dem Association Board, dem Projektbeirat, weiter verfeinert, zu dessen Mitgliedern Verantwortliche der Politik, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Fachleute für Langzeitpflege und Gerontologie, ältere Menschen mit komplexen Pflegebedürfnissen sowie Seniorenverbände gehören. Zu guter Letzt besteht das Ziel darin, einen umfassenden Rahmen und Werkzeugkasten zur Mitgestaltung zu erarbeiten. Diese Ressourcen richten sich in erster Linie an für politische Entscheidungen Verantwortliche und Interessengruppen auf der mittleren Ebene, wobei sie praktische Anleitungen zur Anwendung partizipativer Methoden bei der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen der personenzentrierten, integrierten Pflege bieten. Das Rahmenwerk beinhaltet einen Ansatz, der die soziale Investitionsrentabilität in den Mittelpunkt rückt, womit eine Grundstruktur für partizipative Prozesse mit den relevanten Interessengruppen geschaffen wird. Der Werkzeugkasten, der die auch über die Projektlaufzeit hinaus zur Verbesserung des Pflegesystems beiträgt, wird der Öffentlichkeit nach seiner Fertigstellung zur Verfügung gestellt. Das Konsortium fasst diese vielfältigen Datenstränge gegenwärtig zu einer einheitlichen BUILD-Grundstrategie zusammen. Ein entscheidender Meilenstein ist für Juni 2026 geplant, wenn sich die Partner in Wien treffen werden, um endgültig die Architektur des gemeinsamen BUILD-Rahmenwerks festzulegen. Diese Veranstaltung wird der Abschlusskonferenz des Projekts Anfang 2027 den Weg bereiten. Bei dieser bedeutenden Veranstaltung werden Verantwortliche der Politik, Forscherinnen und Forscher sowie Fachkräfte aus dem Pflegebereich zusammenkommen, um über die Zukunft der integrierten Langzeitpflege in Europa zu diskutieren.
Schwerpunkt Barrierefreiheit
All diesen Bemühungen liegt das Bekenntnis des Projektteams zur Inklusion zugrunde, das sich auch auf seinen digitalen Auftritt erstreckt. Im Wissen, dass Langzeitversorgung auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen unabhängig von seinen Fähigkeiten eingehen muss, hat das Team von BUILD ein spezielles Barrierefreiheitsmenü(öffnet in neuem Fenster) in seine Website eingefügt. Dieses Werkzeug befindet sich in einem orangefarbenen Kreis unten links auf dem Bildschirm (oder ist über die Tastenkombination STRG+U aufrufbar) und ermöglicht es den Besucherinnen und Besuchern, ihr Surferlebnis an ihre individuellen visuellen, kognitiven oder motorischen Bedürfnisse anzupassen. Das Projekt BUILD (Building ecosystems of person-centered integrated care through co-creation) steht dafür, dass sein Wissen allen zugänglich ist. Damit wird demonstriert, dass der Weg zu einer besseren Pflege damit beginnt, jeden Menschen in gleicher Weise würdevoll zu behandeln. Weitere Informationen: BUILD-Projektwebsite(öffnet in neuem Fenster)