Was das Alter über die Wahl des Urlaubsziels aussagt
In der heutigen, stark vernetzten Welt beeinflussen soziale Medien die Reisepläne des Menschen. Doch wie groß oder gering ist dieser Einfluss, je nachdem, ob man jünger oder älter ist? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, teilte ein amerikanisches Forschungsteam über 2.800 Reisende in vier Gruppen von Generationen ein, die acht Jahrzehnte umspannen: Babyboomer (geboren zwischen 1946 und 1964), Generation X (1965–1980), Millennials (1981–1996) und Generation Z (1997–2012).
Der Generationspass
Durch die Zusammenführung von Daten aus drei separaten Studien aus den Jahren 2016 bis 2021, die Kuba, Frankreich, Slowenien und die Vereinigten Staaten abdeckten, wurde untersucht, wie diese verschiedenen Generationen dazu stehen, dass Reisefotos sie cool oder besonders aussehen lassen, und inwieweit dieser Wunsch tatsächlich Einfluss darauf hat, wohin sie in den Urlaub fahren möchten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Current Issues in Tourism“(öffnet in neuem Fenster) veröffentlicht. Kuba und Slowenien galten als unkonventionelle Reiseziele, da sie eine deutlich geringere Besucherschaft anziehen als große globale Tourismusmagneten wie Frankreich und die Vereinigten Staaten. Die Befragten bewerteten, inwieweit sie der Aussage zustimmten, dass das Posten von Reisefotos von einem bestimmten Ort sie online cool, beliebt, einzigartig oder clever erscheinen lassen würde. Außerdem bewerteten sie, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass sie diesen Ort im nächsten Jahr, in fünf Jahren und in zehn Jahren besuchen würden. Anschließend verglichen die Forscherinnen und Forscher die Ergebnisse aller vier Generationen, um festzustellen, ob sich der Wunsch nach Online-Anerkennung – und dessen Auswirkungen auf die Reisepläne – je nach Generation unterschied. „Wann immer wir etwas in den sozialen Medien posten, gehen wir davon aus, dass unsere Mitmenschen positiv darauf reagieren und Likes und Kommentare hinterlassen, um eine Form von Interaktion mit unseren Posts zu generieren“, erklärte die verantwortliche Autorin Sabrina Rahman, die unlängst an der Universität Georgia promovierte, in einer Pressemitteilung(öffnet in neuem Fenster). „Diese Erwartung, ein positives Feedback zu erhalten, bezeichnen wir als ‚sozialen Ertrag‘, und wir praktizieren sie in unserem Alltag, ohne es zu merken.“
Alter vor Abenteuerlust?
Die Babyboomer wiesen im Allgemeinen die niedrigsten Werte beim sozialen Ertrag aller Generationen auf. Ältere Reisende hatten im Gegensatz zu jüngeren Generationen weniger das Gefühl, dass das Posten von Reisefotos ihr soziales Ansehen steigern würde – und dieser Unterschied hatte direkte Auswirkungen auf ihre Reisepläne. Bei den Millennials zeigte sich der stärkste Zusammenhang zwischen dem Wunsch nach Online-Einfluss und dem tatsächlichen Wunsch, ungewöhnliche Orte wie Kuba und Slowenien zu besuchen. Bei diesen beiden Reisezielen wurden ihre Reisepläne am stärksten davon bestimmt, wie beeindruckend die Reise online wirken würde. Millennials versuchten nicht einfach, sich anzupassen, sie wollten auffallen. Generation Z interessierte sich nicht für den Hype. Die Ergebnisse zeigten kaum einen Zusammenhang zwischen sozialem Einfluss und dem Wunsch, gängige Tourismusmagneten wie Frankreich zu besuchen. Generation Z bevorzugte das Neue. Überraschenderweise wies Generation X – und nicht die Generation der Millennials oder Generation Z – den stärksten Zusammenhang zwischen sozialem Einfluss und Reisen nach Frankreich und in die Vereinigten Staaten auf. Die sozialen Medien spielen eine immer größere Rolle dabei, wie wir unsere Urlaube planen und mitteilen. Sie liefern nicht nur Reiseideen und Tipps, sondern helfen tatsächlich bei der Auswahl des nächsten Reiseziels. „Dies ist ein relativ neues, aber überaus relevantes Phänomen, da mittlerweile etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung soziale Medien nutzen“, lautet das Fazit von Rahman. „Die Menschen schauen sich vor einer Reise Reiseblogs, Posts und Bewertungen an, so dass unser Eindruck von diesen Reisezielen in den sozialen Medien unsere Reiseabsichten prägt. Und je nachdem, welche positiven Rückmeldungen ich womöglich erhalten werde, veranlasst uns diese Annahme manchmal dazu, bestimmte Orte zu besuchen oder ein neues Restaurant auszuprobieren.“