Sicherere und schnellere Behandlung von Vorhofflimmern
Vorhofflimmern(öffnet in neuem Fenster) ist die weltweit häufigste Herzrhythmusstörung und eine Hauptursache für Krankheit und vorzeitigen Tod. Etwa einer von zehn Menschen über 65 Jahren ist von der Erkrankung betroffen, welche die normale elektrische Herzaktivität beeinträchtigt und somit das Risiko für Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Sterblichkeit und Demenz erhöht. Die Katheterablation(öffnet in neuem Fenster) hat sich zu einer bewährten Behandlungsmethode entwickelt, bei der hauptsächlich Radiofrequenz- oder Kryoenergie zum Einsatz kommt, um Läsionen zu erzeugen, die abnormale, von den Lungenvenen ausgehende elektrische Signale blockieren. Diese Ansätze sind zwar effektiv, funktionieren aber durch das Verbrennen von Herzgewebe, Erhitzen oder Einfrieren von Gewebe und können somit unbeabsichtigt benachbarte Strukturen schädigen.
Über die thermische Ablation hinausgehen
Das EU-finanzierte Projekt BEAT AF(öffnet in neuem Fenster) brachte neun führende klinische Zentren aus ganz Europa zusammen, um herauszufinden, ob eine Ablation mit gepulsten elektrischen Feldern eine sicherere und effektivere Alternative zu herkömmlichen thermischen Ablationstechniken darstellen könnte. Das Ziel bestand in der Erprobung der Pulsfeldablation, eine grundlegend andere Strategie, bei der hochintensive elektrische Impulse für die Zerstörung der Zellmembran ohne nennenswerte Wärmeentwicklung genutzt werden. Die Grundidee für diesen Ansatz beruht auf der Tatsache, dass Herzmuskelzellen besonders empfindlich auf gepulste elektrische Felder reagieren, während umliegendes Gewebe wie die Speiseröhre und der Zwerchfellnerv weit weniger betroffen sind. „Die Pulsfeldablation weist eine hohe Gewebeselektivität auf, was zu einem deutlich verbesserten Sicherheitsprofil führt“, erklärt Projektkoordinator Pierre Jaïs. Die Technologie funktioniert durch die Erzeugung von Nanoporen in Zellmembranen mittels sogenanntem Elektroporationsverfahren. Durch die Vermeidung von thermischen Schäden sinkt das Risiko von Komplikationen, die mit der herkömmlichen Ablation verbunden sind, darunter etwa eine Verengung der Lungenvenen und Schädigung benachbarter Strukturen.
Therapeutische Erprobung in klinischen Studien
Das Konsortium von BEAT AF startete zwei randomisierte klinische Studien(öffnet in neuem Fenster), die das Potenzial der Pulsfeldablation bei Vorhofflimmern untersuchen sollen. Die Studien sollten ermitteln, ob die Technologie die Wirksamkeit verbessern und gleichzeitig ein gehobenes Sicherheitsprofil wahren kann. Die Ergebnisse(öffnet in neuem Fenster) demonstrierten nach einjährigem Follow-up, dass die Pulsfeldablation eine mit der Radiofrequenzablation vergleichbare Wirksamkeit erreichte. Obwohl hinsichtlich des Wiederauftretens von Herzrhythmusstörungen kein gehobenes Ergebnis nachgewiesen werden konnte, sind die Erkenntnisse in Anbetracht der Reife im Verhältnis zu konkurrierenden Technologien äußerst ermutigend. Jaïs erklärt hierzu: „Die Pulsfeldablation stellt eine kommerzielle Technologie der ersten Generation dar, während die Radiofrequenzablation von mehr als 30 Jahren kontinuierlicher Weiterentwicklung profitiert hat.“ Das Erreichen einer vergleichbaren Wirksamkeit in dieser Phase ist daher ein überaus ermutigendes Ergebnis.“ Vor allem im Hinblick auf die Sicherheit wurden herausragende Ergebnisse erzielt. Eine Pulmonalvenenstenose, eine bekannte Komplikation der thermischen Ablation, wurde bei der Pulsfeldablation in den klinischen Studien nicht beobachtet. Die Technologie zeigte zudem ein erhebliches Potenzial zur Reduzierung anderer Komplikationen im Zusammenhang mit thermischen Gewebeschäden.
Einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung erreichen
Über die Sicherheitsverbesserungen hinausgehend, zeigte die Studie von BEAT AF, dass die Pulsfeldablation Verfahren vereinfachen und Behandlungszeiten verkürzen kann. Dies könnte wichtige Auswirkungen auf Gesundheitssysteme haben, die mit einer immer größeren Patientenschaft mit Vorhofflimmern konfrontiert sind. „Die Pulsfeldablation birgt das Potenzial, die Behandlung von Vorhofflimmern grundlegend zu verändern, da ihre Verfahrenseffizienz eine Behandlung von nahezu doppelt so vielen Patientinnen und Patienten innerhalb der gleichen Arbeitszeit ermöglichen könnte“, betont Jaïs. Dies könnte dazu beitragen, den Zugang zur Katheterablation zu erweitern, die derzeit nur einen kleinen Teil in Betracht kommender Patientinnen und Patienten erreicht. Für Gruppen von Patientinnen und Patienten, deren Behandlung traditionell als schwieriger eingestuft wurde, darunter ältere und gebrechliche Personen mit schweren Symptomen oder wiederholter Krankenhausaufnahme, könnte eine frühere Intervention möglich werden.