Vom Notfallalarm hin zu verwertbaren Informationen
Extreme Wetter- und Klimaereignisse nehmen europaweit zu. „Infolgedessen wächst das Bewusstsein für die Notwendigkeit vorausschauenden Handelns. Das Problem der existierenden Frühwarnsysteme besteht darin, dass sie darauf ausgelegt sind, Gefahren zu erkennen, und nicht darauf, verwertbare Informationen bereitzustellen oder Auswirkungen vorherzusagen“, erklärt Daniel Sempere-Torres, Koordinator des Projekts GOBEYOND(öffnet in neuem Fenster) von der Universitat Politècnica de Catalunya(öffnet in neuem Fenster) in Katalonien. Um diese Lücke zu schließen, entwickelt das GOBEYOND-Team ein fortgeschrittenes Frühwarnsystem mit der Bezeichnung „Multi-Risk Impact-based Early Warning System“ (MR-IEWS). Es bewertet geologische und wetterbedingte Risiken wie Waldbrände, Überschwemmungen und Dürren und ermittelt nicht nur, wo und wann eine Katastrophe eintreten wird, sondern auch, wer und was davon am ehesten betroffen sein wird. Diese Informationen werden dann in digitale Instrumente eingespeist, um die Entscheidungsfindung der Katastrophenschutzbehörden und Ersteinsatzkräfte zu verbessern. Das MR-IEWS wurde in Reallaboren(öffnet in neuem Fenster) entwickelt, in denen Wissenschaftsteams, Technologieentwicklung, Katastrophenschutzbehörden, Ersteinsatzkräfte und (regionale sowie lokale) Gemeinschaften zusammenarbeiteten, um den Bedarf zu ermitteln und Lösungen zu erproben. „Vielfältige Daten in verwertbare Informationen zu überführen, ist höchst anspruchsvoll“, fügt Sempere-Torres hinzu. „Lokale Datensätze zu Ausgesetztsein und Gefährdung unterscheiden sich in Detailtiefe und Format, während geophysikalische und meteorologische Frühwarnalgorithmen in ihrer Beschaffenheit und zeitlichen Abstimmung variieren.“
Praxistests auswirkungsbasierter Warnungen
Das MR-IEWS von GOBEYOND umfasst zwei Plattformfamilien: eine für maßgeschneiderte regionale Entscheidungshilfesysteme und eine zur Vorhersage von Auswirkungen in den europäischen (EW4EU) und mediterranen (EW4MED) Mitgliedstaaten. Die Entscheidungshilfesystemplattformen integrieren zuverlässige lokale und regionale Echtzeitdaten, um orts- und zeitbezogene Warnungen vor Gefahrenereignissen zu generieren. Die Katastrophenschutzbehörden können über ein digitales Dashboard auf diese Informationen zugreifen, und es können auch automatische Warnungen an das Notfallmanagement gesendet werden. Echtzeit-Demonstrationen(öffnet in neuem Fenster) der Entscheidungshilfesysteme werden an fünf regionalen und fünf kommunalen Standorten in Andalusien in Spanien, in der Provinz Chefchaouen in Marokko und in der Region Attika in Griechenland durchgeführt, die eine Vielzahl von Umweltgefahren und geografischen Kontexten repräsentieren.
Risikoinformationen in marktreife Dienstleistungen umwandeln
In Marokko unterstützte EW4MED das Innenministerium dabei, über 140 000 Bürgerinnen und Bürger anhand schneller Bewertungen von Überschwemmungsgebieten zu schützen, und das dank der relativ neuen Integration von Satellitenbildmaterial. Unterdessen nutzten die lokalen Behörden in Estepona, Spanien, eine der auf das Entscheidungshilfesystem zugeschnittenen Plattformen, um hochwassergefährdete Orte zu erkennen und zu überwachen, wodurch schnell vorbeugende Maßnahmen wie die Sperrung von Straßen ergriffen werden konnten. Die EW4MED-Plattform wurde zudem um erweiterte Funktionen ergänzt, darunter ein auf künstlicher Intelligenz (KI) basierendes Instrument zur Waldbrandrisikobewertung, das von der CIMA Research Foundation im Zuge der offenen Ausschreibung zum Innovationspreis(öffnet in neuem Fenster) von GOBEYOND entwickelt wurde. Es simuliert die Brandausbreitung und schätzt die Auswirkungen auf Bevölkerung und Infrastruktur ab. „Die Einbindung fortgeschrittener Spezialkomponenten wie KI-gestützter Waldbrandsimulationen, sobald diese entwickelt sind, trägt dazu bei, eine umfassende Komplettlösung für das Katastrophenmanagement aufzubauen, was unsere Lösung auf dem Markt attraktiv werden lässt“, erklärt Sempere. Im Rahmen des Projekts wird gegenwärtig ein Geschäftsmodell für cloudbasierte Dienstleistungen entwickelt, das anpassbare GOBEYOND-Produkte entsprechend den Nutzungsanforderungen integriert. Auf diese Weise wird ein skalierbarer Wertbeitrag in einem wachsenden Markt für Klima- und Katastrophenrisikodienste geschaffen.
Von der Reaktion zur aktiven Prävention
Nach der Veröffentlichung im Sommer 2027 wird das Paket aus Frühwarnplattformen von GOBEYOND die Ziele von EU-Initiativen wie dem Katastrophenschutzverfahren der Union(öffnet in neuem Fenster) und dem europäischen integrierten Rahmen für Klimaresilienz unterstützen und damit den Mitgliedstaaten dabei helfen, die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels vorherzusehen und sich darauf vorzubereiten.