Digitale Plattform schützt Mensch und Tier vor durch Sandmücken übertragenen Krankheiten
Sandmücken übertragen schwere parasitäre und virale Krankheiten, finden jedoch weitaus weniger Beachtung als Stechmücken. Diese Tatsache ist besorgniserregend, da sie durch Sandmücken übertragene Krankheiten, insbesondere Leishmaniose, in sich tragen, die sich auf neue Gebiete ausbreiten, erneut aufflammen oder sich verschlimmern könnten. Zudem könnten sich die durch Sandmücken übertragenen Krankheiten auf Bevölkerungsgruppen ausbreiten, die bisher weniger davon betroffen sind. Obwohl Sandmücken gefährliche Krankheiten auf Menschen und Tiere übertragen, werden sie europaweit in ihrer Eigenschaft als bedeutende Gesundheitsbedrohung oft übersehen. Daraus erwächst die Notwendigkeit wirksamer Überwachungs- und Prognoseinstrumente innerhalb des Konzepts „Eine Gesundheit“(öffnet in neuem Fenster), um Krankheitsrisiken vorherzusagen, gefährdete Bevölkerungsgruppen zu bestimmen und Behörden dabei zu unterstützen, rechtzeitig Entscheidungen zu treffen.
Prognose und Management des Risikos von durch Sandmücken übertragenen Krankheiten
Um diese Probleme anzugehen, entwickelte das Team des Projekts CLIMOS(öffnet in neuem Fenster) ein Frühwarnsystem(öffnet in neuem Fenster), das aus Klimasensoren und Vorhersagemodellen besteht. Diese beiden Elemente werden in einer vollständig interoperablen, frei zugänglichen Onlineplattform gebündelt, die wichtige Informationen zur Verbreitung von Sandmücken und den damit verbundenen Risiken in verschiedenen Regionen Europas bereitstellt. Mit der Vorhersage von Veränderungen in der Sandmückenaktivität in der kommenden Woche und im kommenden Monat hilft das Frühwarnsystem Fachkräften im Gesundheitswesen, Forschungsgruppen, Verantwortlichen der Politik und Gemeinschaften, proaktive Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen und Reaktionsstrategien zu optimieren. Es versetzt diese breite Palette von Interessengruppen in die Lage, besser vorbereitet zu sein, Risiken zu mindern und die Auswirkungen von durch Sandmücken übertragenen Erkrankungen in einem sich verändernden Klima zu verringern. Um das Verständnis der durch Sandmücken übertragenen Krankheiten in Europa zu verbessern, generierten die Projektpartner Daten von über 115 000 Sandmücken-Exemplaren aus zwölf endemischen oder potenziell endemischen Ländern. Die Resultate wiesen eine große Vielfalt an gleichzeitig zirkulierenden Leishmania- und Phlebovirus-Erregern aus, während die Überwachung von Hunden starke geografische Unterschiede in Bezug auf die Exposition aufzeigte. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass europäische Sandmücken über ihre üblichen Verbreitungsgebiete hinaus Pathogene übertragen können, was auf potenzielle neue Übertragungszyklen hindeutet. Klima- und Umweltmodellierungen ergaben darüber hinaus Schlüsselfaktoren, die die Sandmückenverbreitung beeinflussen, woraus sich schlussfolgern lässt, dass geeignete Lebensräume weiter verbreitet sein könnten, als es gegenwärtig erfasst ist.
Europas Maßnahmen gegen durch Sandmücken übertragene Krankheiten praktisch unterstützen
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden in mehrere Instrumente umgesetzt: Weiterbildungsmaterialien(öffnet in neuem Fenster) für Fachkräfte aus den Bereichen Veterinärmedizin und öffentliche Gesundheit zur Erkennung von Sandmücken sowie zum besseren Verstehen, Erkennen und Umgehen mit Leishmaniose bei Hunden; Leitlinien(öffnet in neuem Fenster) zur Sensibilisierung für die von Sandmücken ausgehenden Gesundheitsrisiken; zusätzlich drei Strategiepapiere(öffnet in neuem Fenster) zur Überwachung und Prävention von durch Sandmücken übertragenen Krankheiten, zu Risikolandschaften sowie zu Kosten-Nutzen-Überlegungen in Hinsicht auf die Leishmaniose-Bekämpfung. „Die Arbeit von CLIMOS verbindet Überwachung, Vorhersagemodelle, Risikobewertung, Entscheidungsunterstützung und praktische Maßnahmen innerhalb eines Eine-Gesundheit-Konzepts, wobei komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse in Informationen umgewandelt werden, die die Vorsorge und das Handeln unterstützen können“, kommentiert Projektkoordinatorin Carla Maia, leitende Forscherin am Institut für Tropenmedizin der Neuen Universität Lissabon (NOVA). „Mithilfe der Kokreation mit Interessengruppen einschließlich Behörden und Gesundheitsministerien in Endemieländern stellte das Projektteam sicher, dass Instrumente, Szenarien und Empfehlungen den realen Entscheidungsfindungsbedürfnissen entsprachen und deren Einbindung in Vorsorgestrategien unterstützen konnten.“ Innerhalb eines Instrumentariums(öffnet in neuem Fenster) konnten diese Ressourcen gebündelt werden, um die Vorsorge im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu vereinfachen und resilienter zu gestalten und gleichzeitig die Klima- und Gesundheitspolitik in der EU und weltweit zu unterstützen. „In ihrer Gesamtheit bieten all diese Ergebnisse einen praktischen Weg von der Evidenz zur Vorsorge“, fasst Maia zusammen. „Die Arbeit von CLIMOS unterstützt den Wandel von der Reaktion auf Ausbrüche hin zu deren Vorhersage und Prävention.“