Spielen mit Empathie: immersive Museumsspiele lassen Geschichte lebendig werden
Museen bewahren das materielle und immaterielle kulturelle Erbe der Menschheit und stellen es zu Bildungs- und Unterhaltungszwecken aus. Sie bieten Einblicke in die Wissenschaft, die Kultur, in Konflikte, Menschenrechte und die Umweltzerstörung. Traditionellen Ausstellungen fehlt es oft an der emotionalen Tiefe, die für ein Einfühlungsvermögen und sinnvolles Lernen erforderlich ist. Das Team des EU-finanzierten Projekts MEMENTOES(öffnet in neuem Fenster) erkundete Kooperationen zwischen Spieleentwicklung und Museen, um immersive digitale Erlebnisse zu schaffen, die auf echten Exponaten, Fakten und Menschheitsgeschichten beruhen. Im Rahmen des Projekts wurden drei barrierefreie digitale Spiele entwickelt, die Museumsnarrative in zutiefst persönliche und emotional bewegende Erlebnisse verwandelten. Anhand der Verbindung von Geschichtenerzählen und Museumsausstellungsgestaltung mit bewährten Praktiken des Spieledesigns hat das Team von MEMENTOES gezeigt, dass immersive Spiele als wirkungsvolle Mittel im Sinne von Bildung, Empathie und sozialem Wandel dienen können.
Immersive Spiele, die Menschen verbinden
Es wurden drei Museen ausgewählt, um das Konzept in Form eines Pilotprojekts zu erproben. Das Museum Le Bois Du Cazier und Causa Creations produzierten „Those from Below“ (Die da unten). Im Mittelpunkt stand ein ehemaliges Kohlebergwerk und UNESCO-Weltkulturerbe in Belgien, das vor allem für die Katastrophe von 1956 bekannt ist, bei der 262 Wanderarbeiter ums Leben kamen. Dabei wurden die Gefahren hervorgehoben, denen die Arbeitskräfte in gewinnorientierten Rohstoffindustrien ausgesetzt sind. „We Grew Up in War“ (Wir sind im Krieg aufgewachsen), eine Produktion des Museums der Kriegskindheit und von Charles Games, beruht auf persönlichen Geschichten und Gegenständen von Kindern, die in Bosnien, Syrien und der Ukraine von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen waren. „Gulag Diaries“ (Gulag-Tagebücher), erschaffen von Gulag.cz und ICS-FORTH, stützte sich auf Expeditionen, Archivrecherchen und ein Online-Museum, das der Bewahrung des Gedenkens an die Opfer der sowjetischen Gulags gewidmet ist. Die Spiele wurden anhand von Fragebögen, Empathie- und Lernmessungen, Beobachtungsbögen und Interviews evaluiert, um die Nutzungsfreundlichkeit, das Engagement, das Eintauchen in die Erzählung, die emotionale Wirkung und den Wissenserwerb zu bewerten. „Die Spielerinnen und Spieler zeigten in ‚We Grew Up in War‘ eine positivere Einstellung gegenüber Geflüchteten und in ‚Gulag Diaries‘ sowie ‚Those from Below‘ eine Vertiefung ihres kulturellen Wissens, verbunden mit einer empfundenen emotionalen Verbundenheit und einem starken Engagement“, erklärt Projektkoordinator Nikolaos Dimitriou vom Institut für Informationstechnologien des CERTH(öffnet in neuem Fenster).
Mehr als nur Informationen: Engagement, Empathie und Einstellungen
Die Ergebnisse von MEMENTOES deuten darauf hin, dass immersive Spiele wirkungsvoll zur Aufklärung über gesellschaftliche Themen beitragen und Einstellungen beeinflussen können, wenn narrative Immersion, historische Verankerung und Perspektivübernahme miteinander verbunden werden. Selbst kurze Prototyp-Spiele führten zu messbaren positiven Veränderungen in der Einstellung gegenüber Geflüchteten und Migration. „Die Studien haben zudem ergeben, dass die Einbeziehung verschiedener Perspektiven eine wichtige gestalterische Strategie ist, um gesellschaftlich umstrittene Themen auf ausgewogene und aussagekräftige Weise darzustellen“, merkt Dimitriou an. Die Spiele ermöglichen den Spielenden, eine emotionale Verbindung zu komplexen historischen Erlebnissen aufzubauen, und fördern damit Empathie und die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, wodurch die reine Informationsvermittlung überschritten wird.
Rahmenkonzept und Werkzeugset zur Maßstabserweiterung des immersiven Spielansatzes
Das Team von MEMENTOES hat einen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Spieleentwicklung und Museen geschaffen, der das Design und die Bewertung immersiver Spiele unterstützt, bei denen Unterhaltung und empathisches Lernen in Einklang gebracht werden. Automatisierte Barrierefreiheitsprüfungen werden zu inklusiveren Spielerlebnissen im Bereich des kulturellen Erbes beitragen. Darüber hinaus bieten KI-gestützte Werkzeuge zur Spieleentwicklung, darunter generative KI, Bild- und Videooptimierung, Erstellung von 3D-Assets sowie adaptive Spielerlebnisse, erhebliche Gestaltungsfreiheit. Ein einzelnes rekonstruiertes 3D-Objekt benötigt nun 98 % weniger Polygone und lässt sich in unbegrenzten Varianten darstellen. Zusätzlich lassen sich die meisten Verfahren kombinieren, um aus 2D-Daten spielfertige 3D-Assets zu erstellen, ohne dass dabei die visuelle Qualität beeinträchtigt wird. Kulturell wird dank MEMENTOES der Bildungsauftrag von Museen über die physischen Grenzen hinaus erweitert. In gesellschaftlicher Hinsicht wird ein skalierbares, ansprechendes und inklusives Modell dafür geschaffen, wie immersive Medien das öffentliche Verständnis von Geschichte prägen und Empathie für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft definierende Themen fördern können.