Skip to main content
Weiter zur Homepage der Europäischen Kommission (öffnet in neuem Fenster)
Deutsch de
CORDIS - Forschungsergebnisse der EU
CORDIS
Citizen-powered data ecosystems for inclusive and green urban transitions

Article Category

Article available in the following languages:

Politische Gestaltung für grünere und gerechtere europäische Städte durch Citizen Science

Sechs europäische Städte kombinierten praktische Lebenserfahrungen mit Sensordaten, um eine grünere und kühlere Stadtplanung zu ermöglichen und die Citizen Science in eine vertrauenswürdige Quelle für wissenschaftliche Beweise zu verwandeln.

Städte sind vermehrt mit extremer Hitze, Luftverschmutzung und schwindenden Grünflächen konfrontiert. Die Bürgerinnen und Bürger, die davon am stärksten betroffen sind, haben oftmals am wenigsten Mitspracherecht bei Planungsentscheidungen. Citizen Science(öffnet in neuem Fenster) – die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit an wissenschaftlicher Forschung – eröffnet einen Weg, um diese Lücke zu schließen. Das EU-finanzierte Projekt Urban ReLeaf(öffnet in neuem Fenster) führte Einwohnerinnen und Einwohner – allen voran Bevölkerungsgruppen mit bislang weniger Mitspracherecht – mit Forschungseinrichtungen und städtischen Behörden zusammen, um bürgerschaftlich gestützte wissenschaftliche Beweise und Erkenntnisse in Pläne für grünere, gesündere und gerechtere Städte einfließen zu lassen.

Praktische Lebenserfahrungen in verlässliche Daten umwandeln

Mehr als 3.800 Einwohnerinnen und Einwohner beteiligten sich über einen Zeitraum von zwei Saisons an sechs Pilotvorhaben in europäischen Städten, indem sie ihre eigenen Beobachtungen und Eindrücke mit den Messwerten von Sensoren in ihren Stadtvierteln zu Hitze, Luftverschmutzung und Grünflächen kombinierten. Die Daten wurden einer Qualitätsprüfung unterzogen, um sie in die offiziellen städtischen Messungen zu integrieren und in die politische Entscheidungsfindung einzubinden. „In Athen trug das städtische Straßenreinigungspersonal während seiner Schichten Wärmesensoren, so dass die Erfahrungen dieser besonders exponierten Arbeitskräfte direkt in die Planungsdiskussionen einflossen“, erklärt Gerid Hager, Mitglied des Koordinationsteams von Urban ReLeaf am internationalen Institut für angewandte Systemanalyse, IIASA(öffnet in neuem Fenster). Die Einwohnerinnen und Einwohner von Utrecht verzeichneten in den zentralen Stadtvierteln um 3 bis 4 °C höhere Temperaturen als die der offiziellen städtischen Messstation, die etwas außerhalb der Stadt liegt. In Mannheim trugen die Einwohnerinnen und Einwohner zu einem gemeinschaftlichen Baumkataster bei und berichteten, wie sie die Hitze auf den öffentlichen Plätzen der Stadt erlebten.

Citizen Science wird zum politischen Instrument

Die Daten von Einwohnerinnen und Einwohnern in Cascais zum Wärmekomfort dienen nun als Grundlage für die Anpflanzung von Bäumen und die Gewährleistung des Sonnenschutzes an „Unbehaglichkeits-Brennpunkten“. Die Daten fließen außerdem in die städtische Verordnung zu Grünflächen und Baumschutz ein. Ein Netzwerk kostengünstiger Messgeräte in Riga, die von Einwohnerinnen und Einwohnern bereitgestellt und an öffentlichen Orten aufgestellt worden waren, maß die Feinstaubbelastung in der ganzen Stadt und wies auf Zusammenhänge zwischen Grünflächen und einer geringeren verkehrsbedingten Luftverschmutzung hin. Der städtische Begrünungsplan von Riga hat die Citizen Science als ergänzende Beweisquelle anerkannt. Darüber hinaus teilten die Einwohnerinnen und Einwohner von Dundee – darunter Bevölkerungsgruppen, die bei öffentlichen Konsultationen oft unterrepräsentiert sind – ihre Eindrücke zu Grünflächen mit, die nun die Szenarioplanung und die Freiflächenstrategie der Stadt prägen. Der Ansatz von Urban ReLeaf hat wichtige institutionelle Veränderungen gefördert. „Bei allen Kampagnen kümmerten sich städtische Mitarbeiter um die Fragestellung, die Organisation der Datenerhebung und -auswertung und die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften, wodurch das Verständnis der Behörden für Citizen Science gestärkt und Vertrauen in die wissenschaftlichen Beweise aufgebaut wurde“, bemerkt Todd Harwell vom Projektkoordinationsteam des IIASA. Die Pilotvorhaben hoben neben den Herausforderungen auch Erfolgsfaktoren hervor. Eine frühzeitige und klare Planungsfrage trug dazu bei, die Datenerhebung mit der beabsichtigten Entscheidungsfindung in Einklang zu bringen: dies erforderte die Sicherstellung eines zuverlässigen Sensorbetriebs durch praktische Erprobung und Notfallpläne. Kreative Formate vergrößerten die Reichweite. Durch die Beauftragung von Kunstschaffenden wurden lokale Daten in öffentliche Kunst verwandelt, darunter zum Beispiel die Wandmalerei „Atlantis“ in Riga und die Parkgedichte in Cascais, um Einwohnerinnen und Einwohner anzusprechen, die sich sonst möglicherweise nicht beteiligt hätten. Die Miteinbeziehung unterrepräsentierter Einwohnerinnen und Einwohner hing zudem von nachhaltigen Partnerschaften mit vertrauenswürdigen lokalen Einrichtungen anstelle von einmaligen Anwerbemaßnahmen ab. Vor allem aber dauerte es länger als eine Saison, um Einfluss auf die politische Gestaltung zu nehmen. Die parallele Durchführung von sechs Pilotvorhaben über beide Jahre ermöglichte ein kooperatives Lernen und die Weiterentwicklung der Konzepte zwischen den Städten.

Eine schnellere Umsetzung und Ausweitung von positiven politischen Maßnahmen erreichen

Die Methoden, Vorlagen, Tools und Datensätze des Projekts sind öffentlich als Toolkits(öffnet in neuem Fenster) zugänglich und richten sich an lokale Behörden, die ähnliche Kampagnen in den Bereichen Wärme, Luftverschmutzung, Bäume oder Grünflächenqualität planen. Das Accelerator-Programm des Projekts unterstützt andere europäische Städte bei der Übernahme des Ansatzes, während das Folgeprojekt GENeCITY die Arbeit von Urban ReLeaf mit digitalen Zwillingen und KI-gestützter Planung erweitert. Projekt Urban ReLeaf hat gezeigt, dass Citizen Science herkömmliche Umweltüberwachungsnetzwerke ergänzen kann, indem lückenlosere Messungen, lokales Wissen und praktische Lebenserfahrungen eine Grundlage für die politische Gestaltung bilden. „Städte haben ihre Umwelt schon immer überwacht. Urban ReLeaf hat dies um die Lebenserfahrungen im Bevölkerungsalltag erweitert und das Vertrauen in die Citizen Science soweit gestärkt, das sie konkrete Planungsentscheidungen mitgestalten kann“, lautet das Fazit von Inian Moorthy, der dem IIASA-Koordinationsteam von Urban ReLeaf angehört.

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich