Der tatsächliche Zustand der biologischen Vielfalt in Afrika südlich der Sahara
Die biologische Vielfalt ist unerlässlich für eine nachhaltige Entwicklung. Warum also beziehen die Entscheidungsträger die Verwaltung der biologischen Vielfalt nicht wirksam in die Politik und Planung der Länder südlich der Sahara ein? Ein Grund dafür ist das Fehlen an kontextspezifischen Informationen über die biologische Vielfalt in den Ländern südlich der Sahara. Diese Lücke wurde nun durch eine neue Studie(öffnet in neuem Fenster) geschlossen, die teilweise durch das EU-finanzierte BIOBANG-Projekt unterstützt wurde. Die Studie nutzte das Fachwissen von 200 Fachleuten für afrikanische Fauna und Flora, um den Zustand der biologischen Vielfalt in dieser wenig erforschten Region der Welt zu ermitteln.
Die Definition von Fachwissen ausweiten
Für die Studie wurden Fachleute aus einem breiten Spektrum von Berufen rekrutiert – Forschende, Feldführende, Parkranger, in der Naturschutzpraxis Tätige sowie Kuratorinnen und Kuratoren von Museen –, wobei der Schwerpunkt auf afrikanischen Fachpersonen lag, um die anhaltende Voreingenommenheit gegenüber Fachpersonen aus dem globalen Norden in dieser Art von Forschung zu überwinden. Dies führte zu einem sehr viel genaueren Bild davon, wie die Arten in den Ländern südlich der Sahara durch die menschliche Landnutzung beeinträchtigt werden, das in einer Karte(öffnet in neuem Fenster) dargestellt wird, die es den Nutzenden ermöglicht, die Unversehrtheit der biologischen Vielfalt und die Landnutzungsstatistiken in verschiedenen Ländern südlich der Sahara zu untersuchen. „Diese Bewertung schließt eine große Lücke für afrikanische Länder, denen häufig die Biodiversitätsinformationen fehlen, die für politische Entscheidungsfindung, Berichterstattung und Landnutzungsplanung erforderlich sind“, erklärt die Mitautorin der Studie Reinette Biggs, Professorin am Stockholm Resilience Centre der Universität Stockholm, in einer Pressemitteilung(öffnet in neuem Fenster), die auf der Website veröffentlicht wurde. „Wir verfügen nun über eine belastbarere Evidenzgrundlage, um Entwicklungsstrategien zu unterstützen, die sowohl die Natur als auch die Menschen erhalten.“
Ein umfassendes Bild
Die Studie liefert eine umfassende Bewertung der Unversehrtheit der biologischen Vielfalt in Afrika südlich der Sahara. Sie zeigt auch eine besorgniserregende Realität auf: Die Region hat etwa 24 % ihrer vorkolonialen und -industriellen biologischen Vielfalt verloren, wobei es Wirbeltieren im Allgemeinen schlechter geht als Pflanzenpopulationen. Unter den Säugetieren haben große Pflanzen- und Fleischfresser mit Verlusten von bis zu 80 % den größten Rückgang zu verzeichnen, gefolgt von Primaten mit bis zu 54 %. Am wenigsten betroffen waren kleinere Wirbeltiere wie Nagetiere und Graslandvögel (bis zu 18 %). Die Unversehrtheit der biologischen Vielfalt von Pflanzengruppen lag zwischen 55 % und 91 %, wobei Wald- und Sumpfbäume und -sträucher die gravierendsten Verluste erlitten, während sich krautige Pflanzen als am widerstandsfähigsten erwiesen. Auch bei der Unversehrtheit der biologischen Vielfalt wurden große Unterschiede zwischen den Ländern und Ökosystemen festgestellt. Am wenigsten intakt waren Ruanda und Nigeria mit 48 % bzw. 53 %, am meisten intakt waren Namibia und Botswana mit 87 %. Fynbos- und Grünlandbiome waren stärker betroffen als trockenere Biome, wie z. B. Wüsten. Entscheidend ist, dass die meisten verbleibenden Wildpflanzen- und Tierpopulationen in ungeschützten Gebieten wie Wäldern und Weideland zu finden sind, wo Mensch und Natur nebeneinander existieren. Der Verlust an intakter biologischer Vielfalt in den am stärksten betroffenen Biomen wird im Falle von Grünland und Fynbos durch die Umwandlung von Land in Ackerland, im Falle von Wäldern durch nicht-landwirtschaftliche Degradation und in Savannen durch eine Kombination dieser beiden Faktoren verursacht. „Dies verändert grundlegend, wo und wie wir über den Schutz der biologischen Vielfalt in Afrika nachdenken“, berichtet die Hauptautorin der Studie Hayley Clements von der Stellenbosch University in Südafrika in demselben News-Beitrag. „Schutzgebiete bleiben von zentraler Bedeutung, insbesondere für Afrikas große Säugetiere, doch allein reichen sie nicht aus, um den Verlust der biologischen Vielfalt einzudämmen. Eine nachhaltige Bewirtschaftung gemeinsam genutzter Arbeitslandschaften ist entscheidend, um die biologische Vielfalt zu erhalten und Lebensgrundlagen zu sichern.“ Das Projekt BIOBANG (Investigating opportunities for transformative change in biodiversity conservation: from Big Data analytics to Gamification.) endet im Jahr 2030. Weitere Informationen: Projekt BIOBANG