Lungenfunktion nach geheilter Tuberkulose verbessern
In der Vergangenheit war Tuberkulose (TB) weltweit die häufigste infektionsbedingte Todesursache. Obwohl diese Krankheit vermeidbar und heilbar ist, haben der ungleiche Zugang zu Medikamenten und oft mit Armut zusammenhängende Umweltfaktoren dazu geführt, dass sie auch noch im 21. Jahrhundert präsent ist. „Außerdem entwickelt sich die Krankheit ständig weiter“, sagt Anne Jacobs vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut(öffnet in neuem Fenster), die das Projekt DRTB-HDT(öffnet in neuem Fenster) leitet. „Infolgedessen gibt es immer mehr therapieresistente Tuberkulose und immer weniger wirksame Medikamente.“ Tatsächlich haben Fälle der therapieresistenten (rifampicinresistenten (RIF-R)) Form der Tuberkulose die globale Gesundheitsbedrohung durch die Krankheit verstärkt.
Neue Strategien zur Verbesserung der Lungenfunktion
Zusätzlich zu diesen bekannten Unzulänglichkeiten hinterlassen die derzeitigen Tuberkulosebehandlungen, und insbesondere die gegen RIF-R-Tuberkulose, oft schwere Lungenschäden bei den geheilten Menschen. Sie können ihr Leben verkürzen und lebenslange Behinderung nach sich ziehen. Das Team des EU-finanzierten Projekts DRTB-HDT hat sich mit diesem Thema befasst. Konkret sollte im Rahmen des Projekts untersucht werden, ob neue wirtsgerichtete Therapien (Host-Directed-Therapien; HDT) die Erholung der Lungenfunktion bei Tuberkulosepatientinnen und patienten verbessern können. Wirtsgerichtete Therapien zielen auf eine Behandlung von Infektionen und Krankheiten ab, wobei die patienteneigenen biologischen Signalwege im Mittelpunkt stehen, anstatt den Erreger selbst anzugreifen. Zu diesem Zweck wurden die beiden bereits existierenden Medikamente C-11050 und Metformin ermittelt und umfunktioniert. Diese Wirkstoffkandidaten wurden ausgewählt, um Entzündungen zu verringern beziehungsweise eine antimikrobielle Aktivität der Wirtszellen auszulösen. „Wir haben uns genauestens darauf konzentriert, was geschieht, nachdem eine Person gegen Tuberkulose behandelt wurde“, erklärt Jacobs. „Können wir ihrer Lunge helfen, sich besser zu erholen, indem wir ihr Immunsystem stärken?“
Randomisierte globale Studien und Bevölkerungsmodellierung
Den Kern des Projekts bildete eine randomisierte globale Studie. Etwa 330 Patientinnen und Patienten wurden aus Georgien, Moldawien, Mosambik, Rumänien und Südafrika ausgewählt. Dabei ging es darum, die Situation in Regionen, in denen die Tuberkulose rückläufig ist, etwa in Europa, sowie in Regionen zu verstehen, in denen die Tuberkulose weiterhin eine große Bedrohung darstellt, wie beispielsweise im südlichen Afrika. „Anfangs gab es etliche Herausforderungen zu meistern, so die Beschaffung der Wirkstoffe und der Umgang mit der COVID-Pandemie“, fügt Jacobs hinzu. „Als wir mit der Studie begannen, litten viele Tuberkuloseerkrankte auch unter den Auswirkungen der COVID-Pandemie.“ Sobald die Studie angelaufen war, erhielten alle Betroffenen eine standardmäßige Tuberkulose-Kombinationstherapie; in den experimentellen Studien erhielten sie zusätzlich entweder CC-11050 oder Metformin. Die Patientinnen und Patienten bliesen in ein Spirometer, mit dem gemessen wurde, wie viel Luft sie ausatmen konnten, um Verbesserungen der Lungenfunktion zu messen. Im Rahmen des Projekts wurden überdies Modellierungsarbeiten durchgeführt, um die potenziellen Auswirkungen einer erfolgreichen wirtsgerichteten Therapie auf die individuelle Gesundheit und die Populationsresilienz zu bewerten.
Potenzial für erfolgreiche Interventionen mit wirtsgerichteter Therapie
Auch wenn die Spirometertests nicht die erhofften signifikanten Verbesserungen der Lungenfunktion ergaben, konnten viele positive klinische Erkenntnisse gewonnen werden. Das Klinikpersonal merkte beispielsweise an, dass Spirometrie Übung erfordert, damit sie richtig durchgeführt wird, und dass sie für die Menschen zuweilen unangenehm sein kann. Dieses Feedback wird hilfreich sein, um zu lernen, wie das Ganze in zukünftigen Studien besser umzusetzen ist. Die Modellierungsarbeit ergab zudem, dass eine erfolgreiche Intervention mit wirtsgerichteter Therapie wahrscheinlich enorme gesundheitliche und wirtschaftliche Vorteile sowohl für Einzelpersonen als auch die Gesellschaft als Ganzes erbringen würde. „Wir haben nachgewiesen, dass eine verbesserte Lungenfunktion eine gute Investition in die Gesundheitsversorgungssysteme wäre“, merkt Jacobs an. „Die Menschen könnten leichter wieder ins Berufsleben zurückkehren und ein längeres, gesünderes Leben führen.“ Das DRTB-HDT-Team ist bestrebt, diese Forschungsroute weiterzuverfolgen, indem Ergebnisse mit Projekten ausgetauscht werden, die im Rahmen desselben Programms(öffnet in neuem Fenster) finanziert werden. „Zu wissen, welche wirtsgerichteten Therapieverfahren funktionieren und welche nicht, wird uns helfen, uns darauf zu konzentrieren, wie wir hier weiterkommen“, erläutert sie.