Klinische Schlafüberwachung für Ihr Schlafzimmer
Schlechter oder gestörter Schlaf wird mit Konzentrationsstörungen, geringerer Produktivität, Unfällen, Herz-Kreislauf-Risiken, Stoffwechselproblemen wie Diabetes und Adipositas, psychischen Problemen und verminderter Lebensqualität in Verbindung gebracht. Die Forschung in diesem Bereich wird von der EU unterstützt. Obstruktive Schlafapnoe, Schlaflosigkeit, das Restless-Legs-Syndrom, Störungen des zirkadianen Rhythmus und weitere schlafbezogene Erkrankungen können zudem mit bestehenden medizinischen Problemen in Wechselwirkung treten, was deren Behandlung erschwert. Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass im Gesundheitssystem Schlafstörungen oft erst spät und unpräzise erkannt werden. Viele Patientinnen und Patienten unterziehen sich erst dann einem formalen Test, wenn sich die Symptome schwerwiegend auswirken, während andere nie eine Schlafklinik aufsuchen. Dadurch entsteht eine Diskrepanz zwischen dem Ausmaß des Problems für die öffentliche Gesundheit und den begrenzten Kapazitäten der üblichen Wege der Diagnostik. An diesem Punkt setzt das von der EU unterstützte Projekt S-trodes(öffnet in neuem Fenster) an. „Bei S-Trodes geht es darum, qualitativ hochwertige Schlafmessungen von einer künstlichen, wenig verfügbaren und teuren Laborumgebung in die eigenen vier Wände zu verlagern, wo der echte und tägliche Schlaf tatsächlich stattfindet. Das Ziel besteht nicht einfach nur darin, Schlaftests bequemer zu gestalten, sondern auch darin, verlässliche Informationen über den Schlaf viel früher zu erhalten und für besser Zugänglichkeit zu sorgen“, sagt Ziv Peremen, Geschäftsführer und Mitbegründer von X-trodes, dem hinter dem Projekt stehenden Unternehmen. Die Polysomnografie(öffnet in neuem Fenster), kurz PSG, ist der konventionelle Goldstandard-Schlaftest, weist aber praktische Einschränkungen auf. „Die PSG bleibt äußerst wichtig, aber sie wurde nicht für eine umfassende, wiederholte Überwachung zu Hause konzipiert. Unser Ansatz besteht darin, die klinisch aussagekräftigen elektrophysiologischen Signale zu erhalten sowie gleichzeitig die Erfahrung natürlicher und skalierbarer zu gestalten“, erklärt Yael Hanein, Professorin für Elektrotechnik an der Universität Tel Aviv (öffnet in neuem Fenster) und technische Leiterin und Mitbegründerin von X-trodes.
Mit Elektrodenpflastern und Analytik etliche physiologische Marker quantifizieren
Sleep-trodes ist ein Schlafüberwachungsprodukt für zu Hause, das auf der Smart-Skin-Technologie(öffnet in neuem Fenster) von X-trodes beruht. Die Plattform ist eine Kombination aus weichen, trocken gedruckten Elektrodenpflastern, kompakter Elektronik und Softwareanalytik. Die Pflaster sind derart konzipiert, dass sie elektrophysiologische Signale wie EEG (Hirnaktivität), EOG (Augenbewegungen), EMG (Muskelaktivität) und EKG (Herzaktivität) erfassen, gegebenenfalls zusammen mit Informationen über Bewegungen und Signalqualität. Das Produkt ist nicht einfach nur ein Sensor. Es umfasst die tragbaren Pflaster, die Datenerfassungseinheit, Signalqualitätsprüfungen, Cloud- oder klinische Softwarekomponenten und Analysen, die Rohdaten über physiologische Aufzeichnungen in klinisch aussagekräftige Schlafinformationen umwandeln. Die betroffene Person wendet die Sensoren zu Hause gemäß den Anweisungen des Pflegeteams und des Produkt-Workflows an. Peremen erläutert dazu: „Das System ist dazu bestimmt, den Aufbau derart zu vereinfachen, dass es selbstständig genutzt werden kann, und es soll gleichzeitig Daten in medizinischer Qualität zur professionellen Auswertung liefern.“
Damit präzise Schlafüberwachung leichter zugänglich wird
Die von Sleep-trodes gesammelten Daten sollen nicht die Beurteilung durch eine medizinische Fachkraft ersetzen. Vielmehr bietet es dem Klinikpersonal eine leichter zugängliche Möglichkeit, objektive Schlafdaten zu sammeln, die Diagnostik zu unterstützen, die Wirksamkeit der Behandlung zu bewerten sowie die Patientinnen und Patienten über einen längeren Zeitraum zu begleiten. „Der Wert von Sleep-trodes liegt darin, dass damit die Schlafüberwachung von einer komplizierten, schwer zugänglichen Prozedur in ein skalierbares klinisches Instrument verwandelt werden kann. Wenn wir Probleme früher erkennen und die Betroffenen leichter über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen können, können wir eine bessere Versorgung unterstützen und gleichzeitig den Druck auf die spezialisierten Schlaflabors mindern“, fügt Peremen hinzu. Die Unterstützung durch den Europäischen Innovationsrat(öffnet in neuem Fenster) war wichtig, da sie es dem Team von X-trodes ermöglichte, von einer validierten Technologieplattform zu einem Produkt und einem klinischen Paket zu gelangen, das zur europäischen Zulassung und Vermarktung geeignet ist. Die Finanzierung trug dazu bei, die Lücke zwischen einer vielversprechenden medizinischen tragbaren Technologie und der zur breiteren klinischen Anwendung erforderlichen Evidenz, Benutzungsfreundlichkeit und Produktreife zu schließen.