Bewegung am Arbeitsplatz zeigt komplexe Auswirkungen auf Krebserkrankungen
Jahrzehntelange Forschung bestätigt, dass aktive Freizeitgestaltung das Krebsrisiko senkt. Weitaus weniger ist darüber bekannt, ob körperlich anstrengende Berufe denselben Schutz bieten, was eine große Lücke in den Leitlinien zur öffentlichen Gesundheit für Millionen berufstätiger Erwachsener hinterlässt. Mit Unterstützung der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen hat sich das Team des Projekts PreCaFit(öffnet in neuem Fenster) zum Ziel gesetzt, die Zusammenhänge zwischen lebenslanger körperlicher Aktivität, körperlicher Fitness und Krebsrisiko besser zu verstehen, um die Krebspräventionsstrategien zu optimieren. Neben Untersuchungen zu Körperfett, Alter und Geschlecht wurde im Rahmen des Projekts auch der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität in der Freizeit und bei der Arbeit sowie gemessener körperlicher Fitness im Verhältnis zu Krebsinzidenz und -sterblichkeit erforscht.
Außergewöhnliche Bevölkerungskohorten mit ergänzenden Informationen
Das Projekt PreCaFit stützte sich auf drei große, langjährige Bevölkerungsstudien, die jeweils komplementäre Stärken aufwiesen. Die in den USA durchgeführte Studie zu körperlicher Leistungsfähigkeit und Gesundheitsergebnissen (Exercise Testing and Health Outcomes Study) umfasst objektiv gemessene Daten zur körperlichen Fitness von über 800 000 teilnehmenden Personen. Dank der im Vereinigten Königreich durchgeführten Generations Study, an der mehr als 100 000 Frauen teilnahmen, konnten die Forschenden Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität, Übergewicht und Darmkrebsrisiko untersuchen. Eine norwegische Kohorte von über 400 000 Personen, die im Durchschnitt 27 Jahre lang beobachtet wurden, erwies sich als besonders wertvoll. Die berufliche Tätigkeit wurde anhand von vier Kategorien selbst eingeschätzt: sitzende Tätigkeit, gelegentliches Gehen, Gehen und Heben oder schwere körperliche Arbeit. Somit konnte das Team die körperliche Betätigung am Arbeitsplatz(öffnet in neuem Fenster) sowie die Inzidenz und Mortalität von 14 Krebsarten bewerten. „Durch die Nutzung dieser groß angelegten Kohorten mit unterschiedlichen Expositionsbewertungen und langen Nachbeobachtungszeiträumen konnten wir Fragen beantworten, auf die es zuvor keine Antworten gab“, erklärt Hauptforscherin Cristina Cadenas-Sanchez von der Universität Granada(öffnet in neuem Fenster) und der Stanford University(öffnet in neuem Fenster).
Uneinheitliche Auswirkungen beruflicher Aktivität erfordern weitere Forschung
„Die Gelegenheit, die körperliche Betätigung am Arbeitsplatz und ihren Zusammenhang mit verschiedenen Krebsarten zu untersuchen, kam unerwartet – und entwickelte sich zu einer der wirkungsvollsten Forschungslinien“, berichtet Cadenas-Sanchez. Das Team von PreCaFit stellte fest, dass Menschen mit körperlich anstrengenderen Berufen ein geringeres Risiko hatten, an Gebärmutter-, Darm-, Brust-, Mastdarm- und Prostatakrebs zu erkranken. Stärkere körperliche Aktivität im Arbeitsleben war jedoch auch mit einer erhöhten Sterblichkeit durch Speiseröhren- und Nierenkrebs verbunden. „Insgesamt stellen unsere Ergebnisse die Annahme in Frage, dass alle Formen körperlicher Aktivität identische Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Die Unterscheidung zwischen beruflicher Betätigung und Freizeitaktivität könnte in präziseren und effektiveren Leitlinien für die öffentliche Gesundheit münden“, merkt Cadenas-Sanchez an.
Öffentlichkeitsarbeit und persönliche Weiterentwicklung
Cadenas-Sanchez legte außerdem Wert auf die Einbindung der Öffentlichkeit, insbesondere von Kindern, da früh im Leben erlernte Gewohnheiten oft bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Das Team von PreCaFit beteiligte sich mit seinem Stand „Fit for Life“ (Fit fürs Leben) an der Initiative „Science is Wonderful!“ (Wissenschaft ist wunderbar!) der Europäischen Kommission und half Kindern auf lustige und spielerische Weise zu verstehen, wie Bewegung zu lebenslanger Gesundheit beiträgt. Das Team produzierte außerdem einen Comic mit dem Titel „Every movement counts“ (Jede Bewegung zählt), der für Bewegung, gesunde Ernährung, Schlaf und psychisches Wohlbefinden wirbt. Über die wissenschaftlichen Ergebnisse hinaus merkt Cadenas-Sanchez an, dass PreCaFit ihre Karriere geprägt hat. Neben zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen und neuen globalen Partnerschaftsmöglichkeiten unterstützte es sie auch in ihrer jetzigen Funktion als Forschungsdirektorin bei der Cancer Patient Support Unit(öffnet in neuem Fenster) (Website auf Spanisch), wo Bewegung, Physiotherapie, Ernährung und Psychologie integriert werden, um mit Krebs lebenden Menschen zu helfen. Die Arbeit des Projekt PreCaFit lieferte ein differenzierteres Verständnis davon, wie verschiedene Formen körperlicher Aktivität und körperlicher Fitness das Krebsrisiko im Lauf des Lebens beeinflussen. Diese Ergebnisse könnten zukünftige Leitlinien für die öffentliche Gesundheit, Richtlinien für Arbeitsstätten und Präventionsstrategien beeinflussen und im Endeffekt dazu beitragen, die weltweite Krebsbelastung zu verringern.