Mit alternativen Wasserquellen gegen Wasserstress in Europa vorgehen
Europas Wasserversorgungssysteme stehen vor einer Krise, da der Bedarf steigt und der Klimawandel traditionelle Quellen unberechenbarer werden lässt. Dürren in Europa verursachten Verluste in Höhe von 40 Milliarden EUR allein im Jahr 2022(öffnet in neuem Fenster), wobei sinkende Flusspegel die Landwirtschaft, die Energieerzeugung und die Logistik beeinträchtigten. Der Sommer 2026 hat diese Risiken deutlich vor Augen geführt: Rekordtiefstände der Donau haben die Kühlwasserversorgung von Kernkraftwerken in Ungarn und Rumänien gefährdet, wodurch die Stromerzeugung unter Druck geriet und Notfallmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Wasserdurchflusses erforderlich wurden. Vielen betroffenen Regionen fehlen die Ressourcen, um umfassende Gegenmaßnahmen umzusetzen – eine Lücke, die das Projekt RECREATE(öffnet in neuem Fenster) durch proaktive, evidenzbasierte Wasserbewirtschaftungsplanung schließt. „Unser Ziel ist, der wachsenden Herausforderung der Wasserknappheit und des klimabedingten Drucks auf regionale Wassersysteme zu begegnen, indem wir eine breitere, sicherere und vertrauenswürdigere Nutzung alternativer Quellen wie Wasserwiederverwendung, Entsalzung und Regenwassernutzung fördern“, erklärt Digu Aruchamy, Programmmanager bei Eurecat(öffnet in neuem Fenster), wo das Projekt koordiniert wird.
Digitale Werkzeuge lenken adaptive Wasserplanung
Im Mittelpunkt des Projekts steht RECREATE_WT, eine in Ko-Kreation mit Interessengruppen entwickelte quelloffene Plattform. Sie integriert Klimaprognosen, Wasserbedarfsszenarien, Systemmodellierung, Gesundheitsrisikobewertung und Wassermanagementstrategien in ein einziges Entscheidungshilfewerkzeug, um die adaptive Wasserplanung zu steuern. Die Plattform hilft bereits dabei, zukünftige Szenarien für Wasserangebot und -bedarf in den vier projekteigenen Fallstudienregionen in Nordholland in den Niederlanden, an der spanischen Costa Brava, in Kalundborg in Dänemark und auf Syros in Griechenland zu bewerten. „Unsere Bewertungen liefern die Grundlage für das Verständnis, wie sich der Wasserstress weiterentwickeln könnte und welche alternativen Strategien zur Wasserversorgung am relevantesten sein könnten“, erläutert Marcel Gutenberger, Kommunikationsexperte beim Projektpartner ICLEI(öffnet in neuem Fenster).
Lokale Lösungen für lokale Bedürfnisse
Entscheidungen über alternative Wasserquellen betreffen Governance, Vertrauen, Verordnungen, Wirtschaftlichkeit und lokale Prioritäten. Deshalb wurde im Rahmen des Projekts nicht nur die Plattform erprobt, sondern es wurden auch praxisorientierte Gemeinschaften in jeder Fallstudienregion eingerichtet. „Diese Gemeinschaften vereinen Interessengruppen aus Wissenschaft, Politik, Versorgungsunternehmen, Industrie und Zivilgesellschaft und sind unerlässlich, um Vertrauen aufzubauen und sicherzustellen, dass unsere Lösungen den tatsächlichen lokalen Bedürfnissen entsprechen“, fügt Gutenberger hinzu. Der umfassende Projektansatz hat bereits wichtige Ergebnisse hervorgebracht. Partner in Nordholland nutzten RECREATE_WT, um die Weiterentwicklung ihres regionalen Trinkwassersystems zu modellieren und dabei Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel, dem Wasserbedarf und der Wasserqualität zu erkunden. Die Behörden an der Costa Brava nutzen RECREATE_WT, um Strategien zur Wasserwiederverwendung zu beurteilen sowie die wirtschaftliche sowie ökologische Tragfähigkeit der Meerwasserentsalzung zu untersuchen. In Kalundborg und auf Syros dient die Plattform dazu, das Potenzial der Regenwassergewinnung bzw. von aufbereitetem Abwasser als alternative Wasserquellen zu modellieren. „Die Vielfalt unserer Fallstudienregionen mag das Projekt zwar komplexer werden lassen, aber es wird dadurch auch wesentlich wertvoller in Hinsicht auf die Wiederholung in anderen, mit Wasserstress kämpfenden Regionen in Europa“, merkt Aruchamy an.
Von der Demonstration zur Markteinführung
Um die Markteinführung seiner Lösungen zu unterstützen, wird das Team von RECREATE eine umfassende Marktanalyse durchführen, um das Potenzial in den vier Fallstudienregionen zu bewerten und dabei zentrale Hindernisse, die einer breiteren Einführung im Wege stehen, sowie Finanzierungs- und andere Unterstützungsmöglichkeiten zu ermitteln. Das Projektteam wird zudem umsetzbare Fahrpläne zur Übertragung der Ergebnisse erstellen. „Mit RECREATE werden bestmögliche Verfahren und lokal angepasste Lösungen auf neue Zielregionen übertragen und somit eine langfristige Zusammenarbeit über die Projektlaufzeit hinaus gefördert“, bekräftigt Aruchamy. Das Team des im Dezember 2027 auslaufenden Projekts bereitet mit den Schwesterprojekten MARCLAIMED und AWARD ein gemeinsames Kurzdossier(öffnet in neuem Fenster) vor.