III - Kreislauforientierte, abfallfreie Aquakulturwirtschaft
Mit dem Versprechen einer nachhaltigen Proteinquelle mit kleinem CO₂-Fußabdruck hat die Europäische Kommission die Aquakultur in den Mittelpunkt ihres europäischen Grünen Deals(öffnet in neuem Fenster) gerückt. Um dieses Versprechen einzulösen, muss der Aquakultursektor jedoch seine Abfälle auf geeignete Weise entsorgen. Bei einer Jahreserzeugung von einer Million Tonnen fallen in der Branche erhebliche Abfallmengen an, darunter fast 490 000 Tonnen Schalen. Die gute Nachricht ist, dass sich hier allmählich Änderungen abzeichnen, nicht zuletzt dank EU-finanzierter Forschungs- und Innovationsprojekte, von denen acht in diesem Kapitel vorgestellt werden.
Im Dreck verborgener Reichtum
Nehmen wir zum Beispiel das Projekt SAFE. Das Projektteam entwickelt Lösungen auf der Basis der Kreislaufwirtschaft, die speziell darauf ausgerichtet sind, die Auswirkungen der Süßwasser-Aquakultur auf die Umwelt zu verringern. Eine dieser Lösungen besteht darin, Schlamm als Substrat zur Erzeugung alternativer Proteinquellen wie Insekten und Würmer wiederzuverwenden. Ein weiteres Projekt, das im Schlamm Nachhaltigkeit findet, ist AQUAPHOENIX. Unter Anwendung der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft hat das Projektteam einen einzigartigen Weg erarbeitet, Fischabfall in nährstoffreiches Material umzuwandeln, das zur Erzeugung erneuerbarer Energie sowie von Dünge- und Futtermitteln dienen kann.
Des einen Sektors Müll ist des anderen Schatz
Ebenfalls an der Umwandlung von Abfall in neue Ressourcen arbeiten die Projektgruppen von Terraforming LIFE und GREENLIFE4SEAS. Ersteres Team kombiniert Fischabfälle mit Tierdung, um natürliche Düngemittel und Biogas entstehen zu lassen, während letzteres Sedimente und Muschelschalen in Sekundärrohstoffe für die Bauwirtschaft umwandelt. Im Rahmen des Projekts LIFE REFISH entstand eine Bioraffinerie, die marine Nebenprodukte und Rückwürfe in Fischproteine, Öle, Gelatine und weitere Produkte verwandeln kann, die in der Lebensmittel-, Futtermittel-, Kosmetik- und Landwirtschaftsbranche zum Einsatz kommen. Auch in der Aquakultur fallen erhebliche Mengen an Kunststoffabfall an: Die dort verwendeten Kunststoffnetze und -seile gehen oft im Meer verloren oder werden einfach weggeworfen. Projekte wie LIFE MUSCLES und BIOGEARS zielen darauf ab, hier Änderungen zu bewirken. Und das nicht nur über das Recycling ausrangierter Netze, sondern auch durch den Ersatz von Kunststoffnetzen und -seilen durch biologisch abbaubare Alternativen.
Neue Wertschöpfungskette von der Erzeugung bis zum Verbrauch
Während sich die Arbeit dieser Projekte darauf konzentriert, was mit dem Aquakulturabfall geschieht, hilft uns AWARE dabei, unseren eigenen Müll in den Griff zu bekommen. Mit diesem Projekt werden Aquaponiksysteme in städtische Abwasserbehandlungsanlagen integriert und damit die Aquakultur vom Meer in die Stadt gebracht. Das Ziel des Projekts lautet, eine neue Wertschöpfungskette von der Erzeugung zum Verbrauch zu erschaffen, die, in Kombination mit den anderen in diesem Kapitel vorgestellten Lösungen, die Aquakultur in einen kreislauforientierten, nachhaltigen und abfallfreien Industriezweig verwandeln wird.