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II - Vorteile der Algen kultivieren

Innovative Lösungen zielen darauf ab, die nachhaltige Algenerzeugung zu steigern und gleichzeitig ihre Vorteile für Klima und Umwelt auszunutzen.

Versteckt unter der Wasseroberfläche wird das enorme Potenzial der Algen leicht übersehen. Sowohl Mikro- als auch Makroalgen können als nachhaltige und nährstoffreiche Nahrungsquelle für Menschen, Nutztiere und Fische sowie als Düngemittel für Nutzpflanzen dienen und unser Abwasser reinigen. Als natürliche Kohlendioxidsenke können Algen sogar zum Klimaschutz beitragen. Um all diese Vorteile wirkungsvoll zu nutzen, arbeitet die EU intensiv daran, die Algenzucht auszuweiten. Dies geschieht sowohl durch strategische Leitlinien wie die EU-Algeninitiative(öffnet in neuem Fenster) als auch die Finanzierung innovativer Forschungsprojekte, von denen sieben in diesem Kapitel vorgestellt werden. Eines dieser Projekte ist OCEAN GARDENS. Ziel des Projekts ist der Bau einer 40 000 m² großen schwimmenden Algenfarm auf Gran Canaria, die jährlich 300 Tonnen Trockenbiomasse produzieren kann, und das zu geringeren Kosten als es traditionelle Methoden mit Algenkulturen an Leinen zulassen.

Raum für erweiterte Erzeugung finden

Das Konzept der schwimmenden Farm dient als Modell für skalierbare Aquakultur und verdeutlicht die Bedeutung der maritimen Raumplanung für die Maßstabserweiterung der Meeresalgenerzeugung. Ungeachtet der Größe der Ozeane und Meere kann geeigneter Platz ein knappes Gut sein, um das viele konkurrierende Ansprüche bestehen. Deshalb wird mit den Projekten OLAMUR und ULTFARMS daran gearbeitet, die Algenzucht in bestehende Offshore-Windparks zu integrieren. Durch gemeinsame Nutzung von Flächen, die als Beispiel für konkurrierende Interessen angesehen werden könnten, zeigt die Arbeit der Projekte, dass ein einziger Standort emissionsfreie Energie und nachhaltige Meereserzeugnisse liefern kann.

Regenerative Meereswirtschaft nach Europa bringen

Ein weiterer innovativer Ansatz zur nachhaltigen Steigerung der Algenerzeugung ist die regenerative Meereswirtschaft. Regenerative Meereswirtschaft ist ein naturbasiertes Aquakulturkonzept, bei dem ungefütterte, trophisch niedrige Arten wie Meeresalgen und zweischalige Weichtiere gezüchtet werden. Diese Organismen werden nicht nur zur Ernte, sondern auch wegen der Ökosystemdienstleistungen gezüchtet, die sie erbringen: Meeresalgen absorbieren überschüssige Nährstoffe und Kohlendioxid, während Muscheln das Wasser filtern. Da sie zur Verbesserung der Umweltbedingungen beitragen, werden durch sie Naturschutzvorteile in die Aquakulturpraktiken integriert. Zwei Projekte, die darauf abzielen, regenerative Meereswirtschaft als Modell für die großräumige Erzeugung von Meeresalgen zu etablieren, sind SEAGROW und COOL BLUE BALTIC. Mit dem erstgenannten wird in der irischen Galway Bay eine Anlage errichtet, die plangemäß jährlich 5 000 Tonnen Meeresalgen produzieren wird, während letzteres die Vorteile der regenerativen Meereswirtschaft den Landwirtschafts- und Fischereibetrieben und Küstengemeinden im Ostseeraum zugutekommen lässt.

Die Algen-Wertschöpfungskette vernetzen

Doch mehr Algen anzubauen reicht nicht aus, um die Erzeugung zu steigern. Es ist außerdem eine Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung in Richtung Endverbrauch erforderlich. Die Teams der Projekte ATL.A.HUB und EU4ALGAE schaffen Plattformen, auf denen Algenforschung, Landwirtschaftsbetriebe, Produktionsfirmen, Unternehmer, Investierende und Behörden zusammenkommen können, um sich auszutauschen, eine Gemeinschaft aufzubauen und Ressourcen zu teilen. Durch Zusammenführung der EU-Interessengruppen im Algenbereich treiben die beiden Projektgruppen eine skalierbare und nachhaltige Erzeugung voran, steigern die europäische Wettbewerbsfähigkeit und nutzen gleichzeitig die zahlreichen Klimavorteile von Algen vollständig aus.