Horizont als Motor des europäischen Biotechnologiesektors– von der Innovation bis zur Investition
Die Biotechnologie gilt als strategische Technologie für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas. Sie bildet die Grundlage für einige der am schnellsten wachsenden innovativen Industriesektoren der europäischen Union und trägt jährlich annähernd 40 Milliarden Euro(öffnet in neuem Fenster) zur Wirtschaftsleistung bei, davon entfallen mehr als 80 % allein auf die medizinische Biotechnologie. In den vergangenen zehn Jahren ist der Biotechnologiesektor mehr als doppelt so schnell gewachsen wie die gesamte EU-Wirtschaft. Die Biotechnologie ist von zentraler Bedeutung für das Erreichen der langfristigen wirtschaftlichen, technologischen und Nachhaltigkeitsziele der EU sowie für die Stärkung der strategischen Autonomie Europas in kritischen Wertschöpfungsketten, welche Technologien im Bereich von Gesundheit und Medizin, Landwirtschaft, blauer Wirtschaft, Energiewirtschaft, Industrieproduktion, Chemie- und Werkstoffsektor, Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen und weiteren Sektoren umspannen. Um die Gunst der Stunde zu nutzen, betonen sowohl der Kompass für die Wettbewerbsfähigkeit der EU(öffnet in neuem Fenster) als auch die Plattform für strategische Technologien für Europa(öffnet in neuem Fenster) (STEP) und die Empfehlung der Kommission zu kritischen Technologiebereichen für die wirtschaftliche Sicherheit der EU(öffnet in neuem Fenster) die Erfordernis, Biotechnologien als wesentlichen Faktor für die wirtschaftliche Sicherheit und globale Wettbewerbsfähigkeit der EU zu fördern. Im Dezember 2025 unterbreitete die Kommission den Vorschlag für den europäischen Biotech-Rechtsakt(öffnet in neuem Fenster), um insbesondere im Hinblick auf das Gesundheitswesen die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors zu stärken. Der Rechtsakt baut auf bestehenden Strategien und Initiativen zur Förderung von Forschung und Innovation in den Bereichen Biotechnologie und Bioproduktion auf, darunter beispielsweise die EU-Strategie für Biowissenschaften(öffnet in neuem Fenster), die neue EU-Bioökonomie-Strategie(öffnet in neuem Fenster), die Mitteilung zu Biotechnologie und Bioproduktion(öffnet in neuem Fenster), der Deal für eine saubere Industrie(öffnet in neuem Fenster) und und der spezielle Politikbereich für Gesundheit und Biotechnologie, Landwirtschaft und Bioökonomie im Rahmen des europäischen Fonds für Wettbewerbsfähigkeit(öffnet in neuem Fenster). Er baut zudem auf der EU-Bioökonomie-Strategie(öffnet in neuem Fenster) auf, die das Ziel verfolgt, fossile Ressourcen durch nachhaltige biologische Ressourcen zu ersetzen, um eine kreislauforientierte, klimaneutrale Wirtschaft zu etablieren und ist von entscheidender Bedeutung für den Übergang der EU zu Klimaneutralität bis 2050, während gleichzeitig dem Verlust der biologischen Vielfalt und der Umweltbelastung entgegengewirkt wird. Darüber hinaus zielt die Strategie für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Bioökonomie in der EU(öffnet in neuem Fenster) darauf ab, die Revolution in der Biotechnologie zu nutzen und ergänzt Initiativen wie die Vision für Landwirtschaft und Ernährung(öffnet in neuem Fenster), den Aktionsplan für die europäische chemische Industrie(öffnet in neuem Fenster) und die europäische Wasserresilienzstrategie(öffnet in neuem Fenster). Der europäische Biotech-Rechtsakt II, der für das dritte Quartal 2026 geplant ist, soll das gesamte Biotechnologie-Ökosystem stärken und einen wettbewerbsfähigen Binnenmarkt für alle Bereiche der Biotechnologie gewährleisten.
Wie EU-Investitionen industrielle Innovationen beflügeln
Horizont Europa bildet den übergeordneten Rahmen für die Investitionen der EU in biotechnologische Forschung und Innovation in den Bereichen Gesundheits- und medizinische Technologie, Landwirtschaft, Lebensmittel und Futtermittel, blaue Wirtschaft, Energiewirtschaft, Industrieproduktion, Chemie und Werkstoffe sowie saubere und ressourcenschonende Anwendungen in Gebieten wie der Wasserresilienz. Im Rahmen von Horizont Europa investiert Säule 2 über einen Konsortialansatz in kooperative Forschungs- und Innovationsprojekte für alle Biotechnologiesektoren. Diese Projekte befassen sich mit den drängendsten Herausforderungen in den Bereichen industrielle Biotechnologie und Bioproduktion(öffnet in neuem Fenster), blaue Biotechnologie, Agrar- und Lebensmittelbiotechnologie sowie medizinische Biotechnologie. Dieses neue Results Pack ergänzt das Results Pack zur medizinischen Biotechnologie und zeigt, wie das EU-Programm Horizont von einem Modell profitiert, in dem die Ergebnisse von neugiergetriebener Forschung an den Grenzen des Wissens mit Unterstützung durch den europäischen Forschungsrat(öffnet in neuem Fenster) (ERC) über Programme des europäischen Innovationsrats(öffnet in neuem Fenster) (EIC) effektiv in marktorientierte Technologien und Unternehmungen überführt werden können, um zu einem robusten EU-Ökosystem für Deep-Tech-Innovationen beizutragen. Von verzehrbaren Batterien bis hin zu Knochen aus Seide – die Projekte verdeutlichen, wie EU-finanzierte Forschung die erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen, technologischen Plattformen und Beweise hervorbringt, um die Führungsrolle Europas in vielen Sektoren mittels Biotechnologie weiter auszubauen. Das Gesundheitswesen bildet einen wesentlichen Anwendungsbereich der Biotechnologie. Projekt GPSorganoids entwickelte neue Plattformen zur Erforschung neuromuskulärer Erkrankungen, während Projekt EarDiTech einen Diagnosetest zur Erkennung von verstecktem Hörverlust etablierte. Um die Reichweite von Impfprogrammen zu erhöhen, förderte BuBbleGun nadelfreie Injektionsmethoden zutage, während die schützende Verkapselung von GLOBEVAC Impfstoffe selbst bei einer Unterbrechung der Kühlkette konservieren kann. Auch ECLIPSE befasste sich durch die Entwicklung eines hochempfindlichen, tragbaren Tests zum Nachweis infektiöser bakterieller, viraler und protozoischer Krankheitserreger mit einer globalen Gesundheitsfrage. SILKink und SilkPlatelet entwickelten stabile, weiche Knochenmarkmodelle aus Seide – eine Innovation, die verbesserte Modelle für die Erforschung von Krankheiten sowie eine Möglichkeit zur Massenproduktion von Blutplättchen für Transfusionen offeriert. NANO-ENGINE soll Immuntherapien für Krebs und genetische Erkrankungen kostengünstiger und zugänglicher machen, indem zielgerichtete Medikamente im Körper der Patientinnen und Patienten hergestellt werden. Um sichereren und nachhaltigeren Technologien den Weg zu ebnen, entwickelte ELFO Elektronik aus Zutaten wie Zwiebeln, Algen und Zahnpasta, einschließlich der weltweiten ersten verzehrbaren wiederaufladbaren Batterie. Im Agrarsektor gingen aus Projekt PROFUSE Wachstumszusätze und Zelllinien zur Steigerung der Produktivität von im Labor gezüchtetem Fleisch hervor. Dies bietet Vorteile für Patientinnen und Patienten mit altersbedingtem oder medikamenteninduziertem Muskelschwund (etwa bei GLP-1-Arzneimitteln). 3P-Tec arbeitete an einer Züchtungsmethode, die Merkmale von drei Pflanzen in einer einzigen Kreuzung kombiniert. ASTEASIER entwickelte verbesserte Mikroalgenquellen für Astaxanthin, einen wichtigen Nährstoff in der Aquakultur. Im Hinblick auf die Umweltauswirkungen wandte LeDNA Techniken zur Probenahme von Umwelt-DNA in Seen an, um den Verlust und die Umverteilung der biologischen Vielfalt zu bewerten, während CEBREWA eine Bodenstabilisierungstechnik unter Verwendung von kalkbildenden Bakterien entwickelte, wodurch der Bedarf an umweltschädlichen chemischen Zementen reduziert wird.